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Mallorca, das Fahrradparadies?

Abgesehen von eine paar ganz Hartgesottenen, ist das (Renn)Radfahren in unseren Breitengraden in den Monaten Oktober bis März, wetterbedingt unangenehm oder sogar unmöglich. - Um in dieser Disziplinen trotzdem einigermaßen fit zu bleiben, könnte man sich jetzt auf den Hometrainer setzen, nach Alternativsportarten suchen (beispielsweise klettern) oder aber dem Wetter ein Schnippchen schlagen und dorthin fahren, wo es auch zu dieser Jahreszeit akzeptable Bedingungen zum Radfahren gibt, etwa auf die Insel Mallorca.

Organisatorisch ist das gar kein so großes Problem, da diese Idee nicht ganz neu ist. Soll heißen, dass die Tourismusbranche längst gemerkt hat, dass mit (Renn)Radfahrern auch Geld zu verdienen ist. Es gibt ausreichend Veranstalter und Angebote, man braucht nur ins Reisebüro zu gehen oder im Internet suchen.

Etwas spannender wird es, wenn man das ganze als debütierender Individualtourist angeht, sein eigenes Rad mitnehmen will und in einer Finca auf dem Lande wohnen möchte. O.K., Flüge buchen ist nun wirklich kein Problem, eine passende Behausung zu finden, da schon eher. Geht man dabei von folgender Prämisse aus: das Haus soll keinesfalls in den hinlänglich bekannten Touristencentern stehen soll aber möglicht zentral gelegen sein und auch nicht auf einem Berg, da dann abends das nach Hause fahren so schwer fällt, dann wird die Quartiersuche schon komplizierter. Es bleibt einem also nicht erspart, sich zunächst mal etwas theoretisch mit der Insel zu befassen. Da wir als Bergsteiger und Wanderer den Umgang mit Karte und Kompass perfekt beherrschen, fällt uns dieses allerdings nicht schwer.

Hat man ein paar mögliche Areale sondiert, kann man beispielsweise unter Zuhilfenahme des Internets, oder eines Reisebüros auf Quartiersuche gehen. Hier ein Link zu "unserer" Finca.

Bei der An- und Abreise ist zu beachten, dass man sich rechtzeitig um den Fahrradtransport kümmern sollte. Also gleich beim Flugticket-Kauf die Fahrräder mit anmelden und sich die Reservierung schriftlich bestätigen lassen. Für den Transport mit dem Flugzeug muss das Rad entsprechend verpackt werden. Hier bieten sich mehrere Möglichkeiten an; die eleganteste Lösung ist der Hartschalen-Fahrrad-Transportkoffer. Fahrrad koffergerecht zerlegen, einpacken, Klappe zu und ab. Man kann sich auch im Fahrradgeschäft einen gebrauchten Fahrradkarton besorgen, sein Fahrrad in diesem verstauen und verkleben, es gibt auch neue Fahrradkartons im Versandhandel oder aber man wickelt sein altes Deckbett oder ähnliches um das Rad, verschnürt und verklebt das ganze und hofft, dass man beim Einschecken einen gnädigen Kontrolleur erwischt. Egal wie schließlich des Vehikel verpackt ist, Adressaufkleber oder -anhänger keinesfalls vergessen!- Erstens kommen zu dieser Jahreszeit ganze Waggonladungen von Rädern am Ausgabecounter an und zweitens kommt leider das Gepäck, wie es ja eigentlich sein sollte, nicht immer mit dem selben Flieger an, mit dem man selbst transportiert wird.

Ankunft in Palma, wie auch schon der Abflug, pünktlich. Man bedenke aber, dass Anfang April, also als wir ankamen, täglich in Palma zwischen 50.ooo und 140.000 Passagiere abgefertigt werden! Gepäck und Fahrrad werden an verschiedenen Schaltern ausgegeben.

Vor dem Flughafen stehen ausreichend Taxen bereit, die auch mit den Fahrradkoffern, die doch ziemlich sperrig sind, kein Problem haben. Schwierigkeiten gibt`s eher, wenn man, wie wir, eine komplizierte Urlaubsadresse hat. Leider sprachen nur wenige Fahrer Englisch und als Tourist ist man nur selten der Mallorcinischen Sprache mächtig.

Ankommen, auspacken, Fahrrad montieren - Urlaubsanfang. Das Wetter lockt mit Sonne und Temperaturen von um die 20°C. Geeignete Fahrradbedingungen soll es von Herbst bis Mitte Mai geben, die andere Zeit ist es zu warm (vgl. Tabelle am Ende des Berichtes).

Abgesehen von der Autobahn ist hier nun fast alles mit dem Fahrrad befahrbar. Selbst Nebenstrassen weisen meist einen guten Asphaltbelag auf. Hier sind die Autofahrer auch besonders rücksichtsvoll. Querwege, Abkürzungen usw. sollte man meiden, da diese oft an Finca´s enden.

Trotz sehr guten Radfahrbedingungen sollte man sich vor Beginn des Urlaubs über die aktuelle Gesetzeslage zum Radverkehr informieren. So ist zum Beispiel das Fahren ohne Helm außerhalb geschlossener Ortschaften verboten. Ebenso sind Radweg insbesondere der sogenannte "Mallorca-Radstreifen" zu benutzen. Ebenso ist das Fahren in Doppelreihen verboten, wird aber oft bei größeren Gruppen toleriert.

Beachtet man diese Vorgaben, kann man sich auf Entdeckungsreise begeben, oder aber die im Handel erhältliche Literatur oder Fahrradkarte zu Rate ziehen, um sich auszupowern. Sicher geht`s aber auch ganz gemütlich.

 

Abgesehen von der Autobahn und den Schnellstraßen gibt es auf den übrigen Straßen fast ausschließlich gute Bedingungen. Glatter Asphalt, wenig Autos und wunderschöne Landschaft. Das Streckenprofil reicht von eben im nordöstlichen Teil der Insel bis gebirgig im Westen. Bei den Ortsdurchfahrten, die häufig sehr eng, manchmal gepflastert, aber immer sehr abwechselungsreich sind, kommt man mit Sicherheit an Tapas-Bars oder Bodegas vorbei, die zum Pausemachen einladen und wo man das Flüssigkeitsdefizit wieder ausgleichen kann.

Das Wohlfühlgefühl stellt sich schon nach den ersten Kilometern ein, die Autofahrer, denen man wirklich nur vereinzelt begegnet, nehmen weitestgehend Rücksicht, der auf der Insel anscheinend immer wehende Wind kommt manchmal sogar von hinten und die Heerscharen von Rennradfahrern, denen Du begegnest, lassen sofort ein "wir-Gefühl" aufkommen. Fährt man durchschnittlich schneller als 25 km/h, wird man von den "Profis" sogar gegrüßt. Der einzelne Radfahrer, aber auch Gruppen, der/die sich mit der Landkarte an der Kreuzung orientierend/en, wird Dir alsbald zum vertrauten Anblick. Die Beschilderung ist gut, leider nicht immer die sog. Fahrradkarte, da beispielsweise oft Straßennummern fehlen. Ein Schild zeigt bestimmt immer nach Palma, selbst wenn es nur ein Schild gibt. Lässt man sich also vom Rückenwind über die Insel treiben (oder vom Ehrgeiz) vergisst man sehr schnell die chaotischen Fahrradbedingung in Berlin und Umland. Dennoch sollte man auch auf Mallorca vermeiden, zu träumen; denn einige Schikanen gibt es schon. Das fängt damit an, dass es häufig keinen ausgebauten Seitenstreifen gibt, soll heißen, da wo der Asphalt aufhört kann es unangenehm tief runter gehen. Auch gibt es oft betonierte Gräben direkt am Straßenrand ohne dass es eine schützende Leitplanke gibt. Ganz zu schweigen von frei rumlaufenden Schafen..!

Flickzeug sollte man vorsichtshalber auch einstecken, denn zumindest im Landesinnern fällt auf, dass es so sehr viel Fahrrad-Reparaturwerkstätten nicht zu geben scheint, aber warum auch, denn Mallorcini, die Radfahren, sieht man ja auch kaum!

Brigitte und Arno

 

TEMPERATUR-TABELLE

Monat Maximale Luft-
temperatur [°C]
Mittlere Luft-
temperatur [°C]
Minimale Luft-
temperatur [°C]
Januar 20,4 10,1 0
Februar 18,8 10,3 -3,0
März 22,6 11,5 -2,0
April 25,5 13,9 1,7
Mai 29,4 17,2 6,2
Juni 34,2 20,6 10,2
Juli 35,6 24,3 14,4
August 36,0 24,7 14,2
September 33,0 23,1 11,0
Oktober 27,1 18,1 6,0
November 24,0 14,5 3,6
Dezember 20,4 11,8 1,4