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Island 2021 mit dem Trekking-Bike

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Unter dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt, haben Brigitte und ich am 20. Februar 2021 Fährtickets nach Island (Hirtshals (DK) – Seyðisfjörður (IS)) gebucht. Start der Reise soll der 13. Juli sein, Rückkehr am 21. August 2021. – Wir brauchen dringend einen Strohhalm, eine Perspektive!

Ausgangssituation (Berlin)

Während über den Sommer die Pandemiewelle etwas abgeebbt war – wir konnten sowohl Ferien in Sölden (Österreich) machen und auch eine kleine Fahrrad-Trekking Tour (eine Woche Mulde-Radweg) radeln, nehmen ab dem Herbst 2020 die Corona-Erkrankungen wieder stark zu. Anfang November 2020 verordnet der Berliner Senat erneut einen Lockdown, allerdings vorerst einen Lockdown „soft“. Die halbherzig verordneten Maßnahmen bringen dementsprechend auch nicht den gewünschten Erfolg, ganz im Gegenteil. Folglich werden Mitte Dezember die Regeln drastisch verschärft, die Geschäfte sind wieder zu (und das kurz vor Weihnachten!). Doch auch diese Verschärfungen stoppen nicht den Anstieg der Fallzahlen, so dass am 10. Januar 2021 weitere Verschärfungen verordnet werden. Ab Mitte Januar dann endlich ein kontinuierlicher Abfall der 7-Tage-Inzidenz. Die Kurve erreicht Mitte Februar ihren vorläufigen Tiefpunkt und steigt seither wieder (leicht) an.

Dieses vorausgeschickt, erklärt es sich von selbst, dass Brigitte und ich notgedrungen Reisepläne aufgeben müssen und stattdessen anfangen Teile der Wohnung zu renovieren. – Der Verzicht auf den Weihnachtsurlaub lässt sich noch einigermaßen verschmerzen, wir trösten uns mit gutem Essen und Spaziergängen, aber dass wir im Februar auch daheimbleiben müssen (Brigitte hat vier Wochen Ferien) ist schon sehr bitter. Wir versuchen uns mit kleineren Radtouren und Training auf dem Tacx-Trainer, sowie gelegentlichem Klettern fit zu halten, merken aber, dass der Frust stetig zunimmt. Also beschließen wir – obwohl die Situation nach wie vor riskant ist – das halb volle Glas zu wählen und eine Fernreise mit den Trekking-Bikes zu planen. Das Reiseziel soll – auch wegen der dortigen momentanen Pandemie Situation – Island sein.

Reise- und Sicherheitshinweise für Island (Quelle: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland)

(Ungewöhnliche) Reisevorbereitungen

27. März 2021

Die dritte Welle der Corona Pandemie nimmt an Fahrt auf! Es muss möglicherweise mit Schlimmerem gerechnet werden! Abhilfe kann m. E. nur das Impfen schaffen. Ich habe heute - altersbedingt - meine erste Impfung mit AstraZeneca erhalten, die zweite soll am 17. Juni folgen. Brigittes erster Impftermin ist der 04. April (Ostersonntag). Eine gute Terminlage und Ausgangssituation für unsere geplante Reise ...

04. April 2021

Auch Brigitte ist zum ersten Mal geimpft :-)

13. Mai 2021

Die Inzidenzzahlen sind sowohl in Europa wie auch in Deutschland rückläufig! Wir wollen uns um die Bahntickets kümmern ...

14. Mai 2021

Wir haben Bahntickets für die Anreise zur Fähre und für die Heimreise ab Fähre bei der DB gekauft.

25. Juni 2021

Am 17. Juni habe ich und heute hat Brigitte die 2. Impfung erhalten (beide AstraZenika) . - Nachdem im Augenblick die Inzidenzzahlen in Deutschland (noch) niedrig sind und die Eisenbahngewerkschaft den avisierten Streik in den August verschoben hat, scheint unserer Abreise nichts mehr im Wege zu stehen!

04. Juli 2021

Beginn der "heißen Phase" der Vorbereitung. Die Räder sind im Prinzip startklar, jetzt "nur noch" das nervige Kleinkram und zwar immer nach dem Motto: Nur nichts vergessen, aber auf keinen Fall etwas Wichtiges vergessen ... 

Es geht endlich los! - Einradeln in Dänemark 

Einfahren in Dänemark

or Map

09. Juli 2021

Wir stehen früh auf, um per S Bahn unseren Zug zu erreichen, der kurz vor 07:00 Uhr Richtung Hamburg startet. Da der Zug am Südkreuz eingesetzt wird, haben wir ausreichend Zeit, die Räder und das Gepäck zu verstauen. Der Zug ist nicht zu voll und an das Tragen einer Maske haben wir uns ja inzwischen lange genug gewöhnen „dürfen“. – Umsteigen am Hamburger Hauptbahnhof in den Zug nach Aarhus. Klappt zunächst auch wieder recht entspannt, da wir die Fahrradstellplätze reserviert haben und auch dieser Zug hier eingesetzt wird. Womit allerdings Niemand rechnen konnte, ist, dass die Wagennummerierung ganz kurzfristig umgekehrt, also der Fahrtrichtung angepasst wurde. Das sorgte dann allerdings für ein richtiges Chaos! Auch wir mussten wieder mit Sack und Pack raus und einmal den ganzen Zug entlang hetzen. Mindesten ebenso „glücklich wie wir, waren diejenigen Radler, die – ohne Böses zu ahnen – auf unseren Plätzen standen und nun hektisch die Gegenrichtung einschlage mussten ….

Wir erreichen pünktlich und ziemlich bequem Aarhus und machen uns sofort auf die Suche nach einem Lebensmittelladen. Dann noch etwa 6 km radeln und wir erreichenden Campingplatz. Wir haben reserviert, also alles paletti.

10. Juli 2021

Es geht endlich los ..
    Es geht endlich los ..

Gut, dass unser Zelt auf einem kleinen Buckel stand, denn pünktlich mit Eintritt der Dunkelheit kam der Dauerregen. Es regnete bis morgens durch, ließ nur ganz allmählich nach. Folglich bauten wir nass ab. Ziel ist der Randers Fjord Camping am gleichnamigen Fjord. Pünktlich zum Start hörte der Regen auf und dies blieb auch so! Auf Fahrradwegen zuerst nochmal durch Aarhus und deren Vororte und schon sind wir in der Natur. Ab sofort begleiten uns Getreide- und Kartoffelfelder. Sehr schön sind auch immer wieder blühende Wildblumenstreifen längs der Wege, welche in allen Farben praktisch explodieren. Wir müssen leider lernen, dass Dänemark zwar nicht bergig, so doch ziemlich hügelig ist. Auch unsere Kondition hat sich auf magische Weise verflüchtigt. Leise Zweifel beginnen zu nagen. Ziemlich fertig erreichen wir die Fähre über den Fjord und damit unser Tagesziel. Der Campingplatz bietet eine superschöne Wiese nur für Radler. Wir bleiben das einzige Zelt hier, wo sind all die anderen Radler?  Leider können die Sanitäreinrichtungen des Platzes nicht ganz mithalten. Macht nichts. Heute gibt es zum ersten Mal wieder Spaghetti Alglio e olio. - 72 km 400 hm

Rast- und Schlafplatz
Rast- und Schlafplatz

11. Juli 2021

Eine ruhige, erholsame Nacht. Die Sonne weckt uns und wir gönnen uns zur Feier des Tages zum Frühstück Zimtschnecken. Wenig später sind wir auf den Rädern. Auf gut markierten Radwegen oder wenig befahrenen Straßen setzen wir unsere Reise gen Norden fort. Das ermüdende, bzw. kraftraubende Streckenprofil bleibt. Zudem meint es die Sonne wirklich gut mit uns. Vermutlich hat das Wetter ein schlechtes Gewissen, wegen der verregneten ersten Nacht. – Was wirklich für uns ein Mangel auf Dänemarks ansonsten recht schönen Radstrecken ist, sind die fehlenden Einkehrmöglichkeiten. Auch heute merken wir wieder nach hinten heraus, dass wir noch längst nicht in Bestform sind! Endlich nähern wir uns Aalborg. Der Routenverlauf wird immer komplizierter und dem Verlauf ist nur dank unseres Garmin Oregon und der guten Routenplanung von Brigitte auch zu finden. Ich frage mich immer öfter, wie es uns früher, also ohne Navi, überhaupt gelinge konnte gewünschte Ziele zu erreichen?

Klettern auf Dänisch
Klettern auf Dänisch

Den Campingplatz in Aalborg kennen wir schon von früheren Touren und auch hier erwartet uns eine gepflegte, zeltleere Campingwiese. Wir bauen auf und gehen einkaufen. Später kommt noch ein zweites Zelt dazu, dann ist schließlich Zeit zum Schlafen. Leider gibt es ab und an kurze, aber heftige Ruhestörungen, angeblich soll da sowas wie Fußball übertragen werden (EM Endspiel Italien – England). Nun ja, wer`s braucht…!?

 12. Juli 2021

Die letzte Etappe in Dänemark liegt vor uns. Wir wechseln die Fjordseite in Aalborg über eine lange Fußgänger-Fahrradbrücke parallel zur Eisenbahn und sind schnell außerhalb der Stadt. Wir folgen zuerst - zwar auf abgetrennten Fahrradwegen - Hauptverkehrsadern Richtung Norden. Irgendwann werden die Straßen aber kleiner und ganz zum Ende gibt es wieder reine Fahrradwege, ohne begleitende Straßen. Die Landschaft ist nun merklich flacher, was sich in einer etwas höheren Durchschnittsgeschwindigkeit niederschlägt. Aber, wie auch in den Vortagen, biegt unsere Route immer kurz vor einer Ortschaft ab und umgeht diese. Da hat Dänemark wohl noch Potential was die Einkehrmöglichkeiten betrifft!

Der Platz in Hirtshals ist merklich voller (und uns von früheren Touren her schon bekannt). Auch wir haben diesen ob seiner Nähe zum Fährhafen ausgesucht. Also Zelt aufgebaut, geduscht und die dreckige Wäsche in die Waschmaschine gestopft. Nachdem wir uns für Island auf dem entsprechenden Portal online angemeldet haben, konnten wir auch schon die getrocknete Wäsche mitnehmen. Jetzt noch kochen? Besser nicht, da muss man nur wieder abwaschen. Demzufolge begeben wir uns auf Restaurantsuche ins Zentrum und werden am Hafen fündig. Mit vollen Bäuchen und ziemlich träge kehren  wir wieder zurück auf den Platz und gehen bald schlafen, da es morgen zeitig losgehen soll.

13. Juli 2021

Zur Fähre nach IslandSo langsam steigt die Nervosität! Nimmt die Fähre uns auch wirklich mit? Also früh aufgestanden, sich gewaschen und gepackt. Dabei darauf geachtet, dass die Sachen für die Kabine schon separat sind. Wir einigen uns, dass jeder seine Kleidertasche mitnehmen darf. Zusätzlich Sandalen und Waschzeug. Jetzt noch einen Automatenkaffee auf dem Platz und die letzten fünf Kilometer zur Fähre. Wir sind so früh da, dass noch keine Schalter für Island geöffnet sind. Über den Radweg fahren wir an den wartenden Autos in der Wartespur vorbei und stellen uns ganz nach vorne. Irgendwann werden die Schalter angezeigt. Mit dem Einlaufen der Fähre öffnen sie und wir erhalten unsere Kabinenkarte und den Aufstellplatz zum endgültigen Boarden der Fähre. Wir wurden lediglich gefragt, ob wir bereits geimpft sind, mussten jedoch nichts vorzeigen. Alle die noch nicht geimpft oder genesen sind, müssen vor dem Einschiffen zum PCR-Test.

Dann das Startzeichen! Wir rollen als die ersten auf die Fähre und Überraschung: Wir dürfen über die schräge Rampe auf die nächste Ebene hochkurbeln. Immerhin haben sie sich dafür entschuldigt. Die Kabinen sind noch nicht fertig, da die letzten Passagiere gerade erst das Schiff verlassen haben. Einen schönen Platz zum Warten bis die Kabinen fertig sind, finden wir mit der Laterna Magica ganz oben auch.

Den Tag verbringen wir mit Lesen, Schlafen und mit Homepage schreiben. Abends fallen wir zusammen mit unseren Mitreisenden über das Büfett her. Wirklich lecker und wir hatten dabei auch noch einen sehr schönen Fensterplatz. Uns kann es gut gehen!

14. Juli 2021

Auf einer Kreuzfahrt würde es heißen Tag auf See. Also Buffet Frühstück, Deckspaziergang, Nichtstun. Abends um 5:00 Uhr die Einfahrt nach Torshaven (Faroer) bestaunt. Beim Abendbuffet trotz bester Vorsätze zu viel gegessen. Danach zum Zoll der in Torshaven zugestiegen ist. Ausweise und die bestätigten Anmeldungen von visit.covid.is als Barcode (natürlich auf dem Smartphone) vorzeigen. Jetzt fehlt nur noch die CovPassApp um die vollständige Impfung zu bestätigen und wir bekamen jeder ein grünes Faltblatt. Dies möge man doch unbedingt hinter die Windschutzscheibe stecken. Beim Fahrrad?  Fertig – nicht ganz, bei der Frage nach der Kabinennummer kamen wir doch kurzfristig ins Straucheln. Jetzt stand der Einreise nach Island nichts mehr im Wege. Dies war uns doch einen Espresso wert. Oh was ist das denn? Jetzt gab es doch recht üppigen Seegang. Da meldete sich auch schon Brigitte`s Magen. Trotz Reisetablette hat der Seegang gewonnen.

Ankunft auf Island
    Ankunft auf Island

15. Juli 2021

Morgens war es besser, so dass auch für Brigitte ein Frühstück möglich war. Danach Kabine verlassen – eine Stunde vor Ankunft in Seydisfjördur – und schon durften wir zu unseren Rädern, welche brav auf uns gewartet haben. Mit einen der Ersten runter von der Fähre, zweimal eindringlich befragt welche Farbe den unser Faltblatt habe – wir haben es dann vorgezeigt, und schon waren wir durch den Zoll. Jetzt wartete der Pass mit einer Höhe von 600hm auf uns. Hoffentlich haben die drei Tage Dänemark was gebracht. Durch eine hochalpin anmutende Landschaft haben wir uns hochgearbeitet und dabei Wasserfälle, Denkmäler und Seen bewundert. Irgendwann waren wir oben und wurden mit einer rasanten Abfahrt nach Egilsstadir belohnt.

Fjardara-Wasserfall
    Fjardara-Wasserfall

Jetzt für zwei Tage einkaufen, Geldabheben und vielleicht noch ein Kaffee, bevor es auf die nächsten Kilometer zu „unserem“ Campingplatz ging. Die ersten beiden Dinge funktionierten problemlos, allerdings steppte der Bär – bestes Sommerwetter, man trug T-Shirt und kurze Hose. Dies bedeutete jeder Platz in den geöffneten Bistros war besetzt. Also einfach die letzten 17 km unter die Räder nehmen. Es stieg leicht an und wir hatten etwas Gegenwind, so dass sich unsere Durchschnittsgeschwindigkeit nicht wirklich erhöhte. Aber dann war das Ziel, der Campingplatz Stora Sandfell erreicht. Überraschung – wir sind wirklich voll – jetzt hilft nur noch die Mitleidsnummer und wir haben eine Ecke zugewiesen bekommen. Der Platz war bis zum Abend knüppeldicke voll mit jungen isländischen Familien. Dies lag daran, dass Schul- und Kitaferien sind und hier in Ostisland super tolles Sommerwetter herrscht, während es in Reykjavik regnet. Etwas irritierend waren die Sanitäranlagen, es gab zwei kleine Hütten mit drei Toiletten, zwei Duschen, zwei kleinen Waschbecken und immerhin zwei Becken draußen zum Geschirrspülen.

Richtung Djupivogur
    Richtung Djupivogur

  

16. Juli 2021

Da wir bereits um 8:00 Uhr eingeschlafen sind, sind wir auch um 7:00 Uhr wach und nutzen die Gunst der Stunde zum frühmorgendlichen Zähneputzen. Nach frühstücken und zusammenpacken waren wir auch bereits kurz nach 9:00 Uhr auf den Rädern. Oh, läuft das heute zäh! Wir haben Gegenwind und die Landschaft ist leicht hügelig. Die Geschwindigkeit ist einstellig und wir wollen doch über den Öxi (532 hm) einen nicht asphaltierten Pass und die kürzeste Verbindung zur Südküste. Nach gefühlten Stunden durch eine Traumlandschaft – sattes Grün, Felsen und Bäche, welche sich über dieselben stürzten – erreichten wir immerhin die Schotterstraße. Die Straße ließ sich gut befahren, schwieriger war schon der Gegenwind. Dann haben auch wir den Abzweig erreicht. Nochmal überlegt, wollen wir in fahren – ja wir wollen. Noch etwas langsamer bewegen wir uns vorwärts, statt alle 5 km machen wir jetzt alle 1 – 2 km Pause. Nur die Landschaft entschädigt für die Qual. Irgendwann wird es flacher, dann fast eben und wir sind oben. Jetzt erstmal runter! Die Abfahrt hat es mit bis zu 17% Gefälle in sich. Steil und kurvig, aber fahrbar. Und dann hatte der Asphalt uns wieder. Um 17:30 Uhr erreichen wir nach 68km und 800 hm völlig erschöpft den Campingplatz in Djupivogur, wir bezahlen im Hotel Framtid und es gibt tatsächlich noch freie Plätze. Wir fangen mit dem Zeltaufbau an, ich schiebe die Stangen in unser Hilleberg Keron, beim Einfädeln der zweiten Stange ein hässliches Geräusch und statt eines schönen Bogens ein Dreieck. Mit viel Mühe bekommen wir die gebrochene Stange wieder raus. Gut, dass wir ein Ersatzsegment dabeihaben. Wir fädeln ab sofort liegend ein und richten erst dann das Zelt auf. Nach dem Duschen noch zum örtlichen Supermarkt – der hat leider schon zu. Wir machen das beste daraus und gehen in den nahen Schnellimbiss zu Fish and Chips. Apropos Sanitärausstattung: Es gab für jedes Geschlecht – nur m, w – eine Dusche, zwei Toiletten und drei Waschbecken sowie eine gemütliche Küche mit Sitzecke.

17. Juli 2021

Steilküste
    Steilküste

Was für eine Nacht! Der Wind wurde noch stärker dazu kamen heftigste Böen. Wir hatten tatsächlich Angst um unser Zelt. Morgens dann die Frage, fahren wir weiter, der Wetterbericht versprach Böen bis 50km/h. Da der Supermarkt erst um 10 Uhr aufmachte – auf dem folgenden Abschnitt gibt es keine Einkaufs- und keine Einkehrmöglichkeiten – hatten wir noch Zeit. Schlussendlich siegte der Tatendrang. Frei nach dem Motto: So schlimm wird es schon nicht werden! Doch es wurde schlimm. Die gute Nachricht: Wir sind auf dem Campingplatz Stafafell angekommen und wir hatten für 10km Rückenwind. Ohne Wind wäre die Strecke ein Traum gewesen. Immer der Küstenlinie entlang, auf der einen Seite Berge davor etwas Grünfläche, auf der anderen Seite das Meer. Das Wetter ist für isländische Verhältnisse fantastisch wir haben Sonnenschein, um die 20C° und nur ab und zu ein paar Wolken.

Stafafell
    Stafafell

Der Campingplatz Stafafell liegt traumhaft schön, leider sind Sanitär- und Küchenausstattung gewöhnungsbedürftig. Es gab tatsächlich zwei Duschen und eine Toilette für alle. Dafür hat uns der Campingplatzwart mit heißem Kaffee empfangen. Man kann nicht alles haben.

18. Juli 2021

Wir haben uns heute für eine Kurzetappe entschieden. Wir fahren nur bis Höfn. Es rollt entspannt.

Red Chair
    Red Chair

Der Wind hat nachgelassen und so sind wir um 12:30 Uhr am Campingplatz. Wir dürfen auch schon unser Zeltaufstellen. Heute ist bummeln, einkaufen, Wäschewaschen und Blog schreiben angesagt. Nicht zuletzt soll es heute Steak mit Salat geben. Gar nicht so einfach ein Stück Fleisch zu kaufen, wenn man die Sprache nicht versteht, zudem sind die Portionen riesig. Wir begnügen uns mit nicht ganz 600 gr eingelegtem Rindfleisch – lecker.  

19. Juli 2021

Bis zum nächsten offiziellen Zeltplatz sind es gut 130 km. Im Internet gab es den Hinweis, dass Fahrradfahrer immer noch an der Jugendherberge in Vagnisstadir zelten können, auch ist auf unserer Landkarte – Drucklegung 2021 – ein Zeltplatz eingezeichnet.

Abzweig
Abzweig

Wir genießen die Ausblicke auf Europas größten Gletscher, den Vatnajökull bzw. auf die Gletscherzungen, welche bis in die Ebene reichen. Erfreuen uns an der Sonne und dem satten Grün. Der Wind hat nachgelassen und es nicht mehr ganz so hügelig. Wir erreichen die Jugendherberge, dort ist noch alles geschlossen, also rufen wir an. Nein wir dürfen keine Zelter nehmen. Alles bitten nützt nichts. Wo dann denn ein Platz wäre. Nun in Höfn – da kommen wir her – in der anderen Richtung vielleicht bei Gerdi. Nützt nichts wir fahren weiter. Es sind ja nur 13 km. Wir finden besagtes Hotel und warten. Wir sind dabei nicht allein. Irgendwann kommt jemand. Ja wir nehmen ein bis zwei Zelte. Duschen geht aber erst morgen früh. Puh -Glück gehabt. Es werden dann doch noch fünf Zelte und wir können die Toilette des Hotels benutzen. Was will man mehr. Wir feiern unser Glück im Restaurant des örtlichen Museums bei Cappuccino und superleckerer Torte.

Camping bei Gerdi
Panorama bei Gerdi
Panorama bei Gerdi

 

20. Juli 2021

Wir starten ohne Frühstück, deshalb sind wir früh am Jökulsárlón einer gigantischen Gletscherlagune. Auch wir bewundern die riesigen, schwimmenden Eisberge. Aber bald  obsiegt unsere Kaffeelust. Also erstmal Frühstücken im dortigen Cafékiosk. Frisch gestärkt können wir nun auch dem Diamond Beach einen Besuch abstatten. Dazu müssen wir als erstes über die einspurige Brücke. Wenig später laufen auch wir über den schwarzen Sand ans Meer. Und wirklich, Wind und Wellen treiben kleine Eisstücke zurück an den Strand, wo die funkelnden „Diamanten“ bereits von den eifrigen Fotografierenden erwartet werden. Im Übrigen gäbe es diese Lagune ohne Klimaerwärmung nicht, auch der Weg zum Strand wäre einiges länger.

Jökulsarlon
Jökulsarlon
Jökulsarlon
Black Diamond Beach
Black Diamond Beach

Wir haben wenig Gegenwind und finden unterwegs auch noch ein weiteres Café (heute ist scheinbar unser Glückstag). So erreichen wir entspannt den Campingpatz im Nationalpark Skaftafell. Es gibt große Wiesenflächen, die eine Hälfte mit Strom, die andere Hälfte ohne. Die Zeltflächen dürfen nicht mit Autos befahren werden, was den Platz noch attraktiver macht. In der Mitte gibt es ein großes, recht neues Sanitärgebäude. Gegen den Hunger gäbe es ein Café und ein Imbisswagen. Wir sind zufrieden und genießen die letzten Strahlen der Abendsonne.

21. Juli 2021

Svartifoss
    Svartifoss

Pausentag. Arno repariert professionell den abgerissenen Verschluss einer Ortliebtasche, auch die Fahrradkette wird gesäubert und geölt. Dann machen auch wir uns bei bestem Wetter auf zum Wasserfall Svartifoss mit seinen beeindruckenden Basaltsäulen und kehren über einen Aussichtspunkt und Sel, einem in den 50ern des letzten Jahres aufgelassenen Bauernhofes zurück zum Zeltplatz. Trotz der Menschenmassen eine wirklich beeindruckende kurze Wanderung. Einzig der anschließende Besuch im Café war nicht überzeugend. Den Rest des Tages war relaxen angesagt.

Verlassenes Grhöft
    Verlassenes Gehöft

22. Juli 2021

Wieder weckt uns die Sonne. Routiniert bauen wir ab, packen die Räder und machen uns auf den Weg. Ein kurzer Stopp an den Fragmenten einer Stahlbrücke, die in Folge eines Vulkanausbruches und dem daraus resultierenden Gletscherlauf von riesigen Eisblöcken eingedrückt wurde. Doch bald ist Schluss mit Lustig. Der lange angekündigte Wetterwechsel sorgt für zunehmend Bewölkung und vor allen Dingen aber für heftigen Gegenwind. Wir müssen mächtig kämpfen, um überhaupt noch voranzukommen.

Markanter Fels
    Markanter Fels

Aber noch viel, viel schlimmer sind die eng an uns vorbeifahrenden Gespanne und Wohnmobile, vor allem aber die LKW`s im Gegenverkehr. Diese erzeugen beim Passieren einen derartigen Sog, dass es uns förmlich Richtung Straßenmitte schleudert. Zum Glück fahren wir eine riesige Rechtskurve und bekommen den Wind zunächst von der Seite, später sogar leicht von hinten. Unsere Moral war kurzfristig völlig am Boden, qua der gefährlichen Situation(en), die hinter uns lagen. Zahlreiche Pausen am Straßenrand waren erforderlich, um schließlich – bei jetzt einsetzendem Regen- endlich unser Tagesziel zu erreichen. Brigitte steuert sofort den örtlichen Supermarkt an und kommt gefühlt nach Stunden endgültig demoralisiert mit voller Einkaufstüte aus dem Laden. Das Sortiment dort war derart eingeschränkt, dass unser Überleben schließlich nur noch ihrem guten Improvisationstalent zu verdanken ist. Bei heftiger werdenden Regen bauen wir unser Zelt auf.

23. Juli 2021

Eigentlich wollten wir von hier (Kirkjubærklaustur) Richtung Landmannalaugar aufbrechen. Dazu wäre aber ein Abschnitt mit mehreren Furten zu bewältigen. Am Abend davor waren auch nach Island ausgewanderte Schweizer auf dem Platz, welche uns darauf hinwiesen, dass die Flüsse im Hochland viel Wasser führen. Also sind wir heute erstmal ins Nationalparkbüro und haben nachgefragt. Doch man kann furten. Aber wenn es heftiger regnet, dann steigen auch die Pegel. Da es die nächsten Tage regnen wird und die Wolken tief hängen, folglich keine Sicht, entscheiden wir uns über die Ringstraße und nicht über das Hochland Richtung Fludir weiterzufahren. Heute bleiben wir hier. Das Highlight des Tages wird dann unser erster Schwimmbadbesuch in Island. Hot Pots mit bis zu 40 °C Wassertemperatur bei Regenwetter sind wirklich großartig. Wir haben uns davor und danach auch ordentlich nackig unter die Dusche gestellt und alle wichtigen Stellen gewaschen – macht man in Island so!

24. Juli 2021

Es regnet heute heftig. Wir verquatschen den Vormittag und pflegen nachmittags unsere Homepage. Langsam plagt uns der Lagerkoller. Die Wetter-App sagt für den nächsten Vormittag wenig Regen und Wind voraus.

25. Juli 2021

Wir sind kurz nach 8:00 Uhr startklar. Es ist zwar diesig und wir fahren komplett in Gore-Tex, aber es lässt sich gut fahren. Wir haben wenig Gegenwind, queren moosbewachsene Lavafelder, irgendwann ein Rastplatz mit Toilettenhäuschen, dort gibt es ein riesiges Feld mit Steinmännchen. Das Bauen dieser soll beim Weiterfahren Glück bringen. Die umliegenden Berge bleiben im Dunst verborgen. Wir erreichen Vik, bauen unser Zelt auf und duschen. Auf die in Kirkjubærklaustur eingekauften Tütennudeln haben wir beide keine Lust, deshalb brechen wir zum örtlichen Supermarkt auf. Da gibt es doch auch noch ein Geschäft mit Islandpullovern, Outdoorkleidung und Stehrumchen. Die Entdeckung ist jedoch ein Selbstbedienungsrestaurant, indem es Burger gibt – mit Blick auf die versteinerten Trolle von Vik. Die Entscheidung ist gefallen: Heute ist Burger Tag. Danach noch etwas Obst und eine große Packung Skyr. Was braucht es mehr!

26. Juli 2021

Es regnet immer noch! Wir wollen nicht bleiben und überlegen, statt der langen Etappe nach Hvolsvelli nur bis Skogar rund 30 km zu fahren. Es fieselt auch nur und nachdem wir die Rampe hinter Vik überwunden haben, ist uns auch nicht mehr kalt. Ohne Gegenwind erreichen wir zügig unser Ziel. Dort steppt der Bär. Jeden Touristen zieht es zu dem beeindruckenden Wasserfall gleichen Namens. Der Campingplatz entpuppt sich als Grasstreifen rechts und links des Fußweges zum Wasserfall. Die Sanitäranlagen sind gleichzeitig die öffentlichen Toiletten in einem Gebäude, was auch vor 20 Jahren nicht neu war. Wir fahren nachdem auch wir ehrfürchtig den Wasserfall bewundert haben, weiter. Es soll nach gut 30 km ein anderer Campingplatz kommen. Dieser liegt etwas Abseits der Ringstraße und auch hier gibt es zwei schöne Wasserfälle. Wir finden ihn und die Rezeption. Aber es ist niemand da! Die Wiesen stehen teilweise unter Wasser, die Sanitäranlagen sind schmutzig und die Duschen abgeschlossen. Das haben wir nicht nötig! Wir fahren weiter. Ziemlich nass und durchgefroren erreichen wir unser ursprüngliches Ziel Hvolsvelli. Dort gibt es auch keine Rezeption, aber Leben auf dem Platz. Wir fragen nach – wir sollen aufbauen und die Platzwartin würde später kommen. Dies tun wir auch und da wir nicht genug Münzen für die Duschen haben, wählen wir wieder die Schwimmbad Alternative. Nach einer Stunde in den unterschiedlich heissen Hot Pots war auch uns wieder warm. Zur Feier des Tages gab es Pizza. Wir mussten natürlich die Größte bestellen.

27. Juli 2021

28. Juli 2021

29. Juli 2021

30. Juli 2021

Wieder weckt und die Sonne, wir frühstücken, quatschen noch mit den anderen Radfahrern und schwingen uns frohgemut auf die Räder, schließlich sollen es heute keine 29 km bis zu unserem Tagesziel das Kerlingarfjöll Highland Resort (mit Campingplatz) werden. Die Hochlandstraße 35 bietet alles was eine Schotterpiste so bieten kann, fast so glatt wie Asphalt, Wellblech unterschiedlichster Ausprägung über die gesamte Fahrbahnbreite, grober Schotter, Schlagloch an Schlagloch. Die Landschaft ist wirklich lohnend, wir blicken auf Berge und Gletscher, aber wirklich faszinierend ist der weite Blick über die Hochebene. Nach dem Abzweig zum Kerlingarfjöll bleibt uns der Straßenzustand erhalten, dazu kommen jetzt aber wieder Anstiege, welche wir nur schiebend bewältigen. Besonders der letzte forderte von uns schiebend alles ab. Uns gruselt jetzt schon von der Rückfahrt.

Trotz der frühen Ankunft können wir uns nicht zu einer Wanderung oder zum Besuch des natürlichen Hot Pots aufraffen, wir sind einfach platt. Stattdessen entspannen wir und genießen die Sonne.

31. Juli 2021

Wandertag! Wir wollen in das Geothermalgebiet von Hveradalir (Tal der heißen Quellen). Dorthin gibt es zwei Wege nämlich zu Fuß oder 6 km auf Schotterstraße zu einem hochgelegenen Parkplatz. Wir wählen den Fußweg und genießen die Ausblicke auf Gletscher, bizarre Berge und auf die Hochebene. Auf gut 1000m über NHN eröffnet sich ein faszinierender Blick auf das vor uns liegende Geothermalgebiet. Es qualmt, brodelt, stinkt und leuchtet in allen Farben. Wir steigen dem Rundkurs folgend ins Tal ab, und aus diesem auf steilen Pfaden wieder empor. Auf gleichem Weg wandern wir zurück zum Campingplatz.

Da wir diesen Wandertag nicht eingeplant haben, müssen wir heute hier Essengehen. Das Vergnügen ist zwiespältig, da eine 27-köpfige deutsche Reisegruppe erwartet wird. Wir haben zwar für ein sauteures Büfett bezahlt, fühlen uns aber wie Menschen zweiter Klasse. Das Essen war dennoch sehr lecker.

01. August 2021

 

Fahrrad-Trekking-Tour 2021

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