international - Trekking

Winter-Trekking im Sarek 1999

Bereits nach Rückkehr von der 1. Winter-Trekking-Tour 1998 in den Sarek (Nord-Schweden) stand eigentlich schon fest, dass wir wiederkommen wollten. Vielleicht u. a. auch wegen der heftigen Investitionen in spezifische Ausrüstung, die sich schließlich auch amortisieren sollten; vor allen Dingen aber, weil einem dieses wunderschöne Stück Landschaft (bis heute) nicht mehr los lässt.



Also wählten wir für die nächste Trekking-Tour in den Sarek den Zeitraum: 26. März bis 16. April 1999

Wie fast immer bei uns, wenn wir in den Urlaub aufbrechen, am Freitagabend (26. März) per Bahn gestartet und über Malmö (Schlafwagen / Fähre) tagsüber (Samstag) weiter nach Stockholm. Den restlichen Tag nutzten wir für ausgiebiges Sightseeing in Stockholm. Abends mit dem Nachtzug (Schlafwagen, 2er-Abteil) Richtung Kiruna bis Murjek. Von dort mit dem Bus bis Jokkmokk. Dann nach einigem Aufenthalt weiter mit einem ziemlich muffigen Busfahrer nach Kvikjokk. Ankunft am Sonntag, den 28. März, 15:10 Uhr.

In Kvikkjokk am Kaufladen ausgestiegen und in einem ziemlichen Spurt (auf Wunsch eines einzelnen Herrn) zum Kvikkjokk turistservice (so heißt das Selbstversorgungs-Hüttenzentrum). Dort erfolglos Helena gesucht und stattdessen mit ihrem Lebensgefährden geplaudert. Eine 4-er Hütte ganz für uns alleine gekriegt. Eingezogen, häuslich eingerichtet und noch Einkaufen gegangen. – Die Ferienhütten in Kvikkjokk sind eher einfach und wohl vorrangig für die Sommerurlauber (Angler) gedacht, haben eine kleine Küche mit Kühlschrank und Elektroherd, allerdings kein fließend Wasser. Eine Elektroheizung im Wohnraum sorgt für ausreichend Wärme. Es gibt vier od. sechs Betten. In einem Gemeinschaftsgebäude gibt es Toiletten und eine Dusche, sowie eine Wasserleitung.

Hatten wir bei der Abreise in Berlin noch Schmuddelwetter, war hier tiefster (Bilderbuch)Winter. Zwei Tage lang gewöhnten wir uns an Kälte, unternahmen Einlauftouren und erkundeten die Umgebung, dann kamen auch Kaktus und Helmut an. Es war jetzt für hiesige Verhältnisse relativ mild, immer so um die Null Grad, also fast Tauwetter. Diverse Schnee-Sooter-Fahrer mitsamt ihren fragwürdigen Fahrzeugen waren unsere (lauten) Nachbarn, wir sehnten uns nach der Einsamkeit im Sarek.


Reisetagebuch

31. März:

(1.Tag): Von Kvikkjokk aus folgten wir zunächst dem Kungsleden bis in die Nähe der Pårtestugan. Die Temperaturen waren immer noch untypisch mild, schon fast Tauwetter. Wir haben das Zelt an einem Flusslauf aufgebaut und uns über den klasse Sonnenschein am Abend gefreut.

01. April

(2. Tag): Weiter, immer noch auf dem Kungsleden, bis vor dem Berg Tjahkkelij, dann den markierten Kungsleden verlassen und in Richtung Rapadalen abgebogen. Obwohl der Weiterweg auf der Karte flach und einfach aussah, haben wir uns mit den Pulken ziemlich durch hügeligen Wald gequält. Ohne Weg wird jede Vegetation zum Hindernis. Tagsüber viel Wind und schlechte Sicht. Im Wald übernachtet.

02. April

(3. Tag): Obwohl im Nationalpark Motorschlitten verboten sind (außer für Samen) haben wir Skidoo-Spuren gefunden und sind diesen bis zum Rapa-Fluss gefolgt. Kurz nach der Litnokstugan haben wir unsere Zelte aufgebaut, bzw. eingegraben. Wetter eher grau in grau.

03. und 04. April

(4. und 5. Tag): Kontinuierlich und ohne besondere Vorkommnisse haben wir unsere einsame Spur durch das Rapadalen bis zum Eingang des Sarvesvagge gezogen, haben unterwegs mit Parkrangern über das wohin und woher geplaudert und ansonsten routiniert den Tagesablauf gestaltet.

5. April

(6. Tag): Es regnet (!). Die Situation ist wirklich eklig. – Viel schlimmer als grimmige Kälte ist Feuchtigkeit so um die Null Grad herum. Wir beschließen einen Pausentag zu machen.

6. April

(7. Tag): Obwohl das Wetter nicht wesentlich besser ist, entscheiden wir weiter zu gehen. Wir folgen dem Sarvesvagge. Dann schlägt das Wetter um und wird noch schlechter. Wir haben plötzlich ziemlich heftigen Wind von vorne. Selbst ich ziehe jetzt die Gore-Tex Überhosen an. Nur das Wissen, dass bald eine Renntierhüter-Hütte erreicht ist, lässt uns vorwärts gehen. Ziemlich anstrengend. Schneetreiben und heftiger Sturm, jedes Luftholen wird zur Qual. Endlich machen wir die Hütte aus (GPS-Navigation hat echte Vorteile).

Im Windschutz der Hütte schaffen wir es zu viert das Zelt von Helmut und Kaktus aufzustellen, ohne dass der Sturm größeren Schaden anrichten kann und wichtige Dinge einfach wegbläst. Abendessen und Teekochen fällt wegen Sturm aus. Wir hocken (etwas verängstigt) dicht beieinander im Zelt, beobachten unablässig das Barometer und hoffen auf Besserung. Nach dem wir uns etwas an die Tatsache gewöhnt haben, dass das Zelt zwar bei jeder Böe flach liegt, aber sich immer wieder – ohne anscheinend Schaden zu nehmen – wieder aufrichtet, wird es zu viert im Zelt allmählich fast kuschelig. Nachts rücken wir immer enger zusammen, da der Schnee langsam zwischen Innen- und Außenzelt eindringt und der Innenraum immer kleiner wird. Zum Glück haben wir unser Gepäck am Abend vorher noch mit Biwacksäcken geschützt. Nur ich habe mal wieder vergessen meine Schuhe im Vorzelt zu schützen. Ich musste sie später mal wieder trocken wohnen brr…. .

7. April

(8. Tag): Nach einem opulenten Frühstück (1 Tasse Tee und ein Stück Schokolade) gelingt es uns, endlich auch das zweite Zelt aufzustellen; nachdem der Wind etwas nachgelassen hatte. Wir haben Gelegenheit ausgiebig zu Frühstücken und zu Mittag zu essen. Vor allen Dingen versuchen wir viel zu trinken.

8. April

(9. Tag): Das Wetter ist nicht wirklich gut, trotzdem beschließen wir weiter zu gehen. In der nähe des Passes treffen wir eine Gruppe Belgier die hier auf besseres Wetter für Winterbegehungen der umliegenden Gipfel wartete und uns Tee anbietet. Im laufe des Nachmittags schlägt das Wetter um und wir haben abends strahlend blauen Himmel. Wir schlagen unser Lager am Ende des Sarvesvagge an einem kleinen namenslosen See auf. Vorher konnten wir noch die ersten Rentiere unserer Reise bewundern.

9. April

(10. Tag): Wir haben jetzt eine stabile Hochdruckwetterlage. Heute soll es bis zur Tarraluoppalatugorna, einer Hütte auf dem Padjelantaleden gehen. Es kommt zu einem Zwischenfall.
Leider traversierten wir, um zur Hütte zu kommen, wg. eines Navigationsfehlers (damals gab es noch von der USA gewollte Verfälschungen der GPS-Genauigkeit) einen Hang zu weit oben, die Hangneigung war noch sehr steil. Ohne Pulka wäre das relativ problemlos. Mit Pulka entwickelt sich die Hangquerung zu einem ziemlich riskanten Unternehmen. Meine Pulka folgte plötzlich der Schwerkraft, pendelte talwärts, verdrehte mir komplett das Zuggeschirr und machte mich manövrierunfähig.
Nur mit größter Anstrengung konnte ich verhindern, dass es zu einem unkontrollierten Sturz in die Tiefe kam. Unter äußerster Anspannung löste ich die Pulka vom Ziehgürtel und befreite mich im Tiefschnee von den Skiern. Das hätte auch schief gehen können! Zurückgehen und ein Abstieg / Traverse im flacheren Gelände wäre die bessere Lösung gewesen. Bei den nun vor uns liegenden Hütten angekommen, stellen wir fest, dass jede Hütte bewohnt ist. Da ziehen wir doch unsere Zelte vor. Wir gehen also noch ein Stück weiter und bereiten uns auf eine ziemlich kalte Nacht vor.

10. April

(11. Tag): Weiter auf dem Padjelantaleden Richtung Kvikkjokk. Helmut und Kaktus gehen bei strahlendem Sonnenschein vor. Vor der Såmmarlappastugen erwarten uns Kaktus und Helmut. Sie erzählen uns, dass bereits eine größere Gruppe Skiwanderer da sei und zusätzlich noch eine Gruppe mit Hundeschlitten erwartet wird. So beschließen Brigitte und ich, in der Verkaufsstelle (!) der Hütte unsere Süßigkeiten zu ergänzen sowie Cola und Fanta einzukaufen (um mein Liebkingsgetränk „Spezi“ zu mixen) und statt Notlager lieber eine kuschelige Nacht bei Minus 25° im Zelt zu verbringen.
Die Zivilisation hatte uns irgendwie wieder eingeholt. Schluss mit Einsamkeit, es gab wieder Touristen. – Bemerkenswert noch ein kleiner „Fast-Zusammenstoß“. Ein uns entgegen kommendes Hundegespann wich nach links aus, ich nach rechts, was dazu führte, dass wir schließlich nebeneinander zum Stehen kamen, beide jetzt parallel und in ungewollter neuer Richtung.

11. April

(12. Tag): Wir haben beschlossen die restlichen Nächte auf jedem Fall im Zelt zu verbringen. Also weiter in die Nähe der Tarrekaisestugan. Da wir außerhalb des Nationalparks sind, können hier auch Skidoos fahren. Die Strecke ist recht flach und durch die Skidoo-Fahrer ausreichend markiert.

12. April

(13. Tag): Bis Bäcken gelaufen. Wir beschlossen auf dem nur noch halb zugefrorenen Tarraätno zu übernachten. Zelt mit fließend Wasser. Brigitte war absolut begeistert, als ich noch ein Kälteloch zum Kochen gegraben habe. Hmm...!

13. April

(14. Tag): Zurück bis zum Kvikkjokk turistservice. Hier Helena überreden können, uns zwei Hütten zu vermieten. Beziehen der inzwischen ungewohnt komfortablen Quartiere und Schlange stehen vor der einzigen Dusche im Hüttenzentrum. Jetzt wieder wohlriechend „belohnten“ wir uns dann mit Waffeln und Moltebeeren und spielten Romme. So gestärkt ging`s zum Kaufladen und um für`s Abendessen einzukaufen.

14. April

(15. Tag): Pausentag

15. April

(16. Tag): Zeit, die Heimreise anzutreten. Mit dem Taxi nach Jokkmokk (hier Museum besichtigt und Supermarkt aufgesucht, dann Cafe gesucht) Am späten Nachmittag nach Murjek. Von dort mit dem Nachtzug bis Stockholm.

16. April

(17. Tag): Tagsüber mit der Bahn nach Malmö. Nachts im Schlafwagen nach Deutsachland.


 

 

"Schöne" Sarektour-Beschreibung von Matze Goede

 

 

Arno & Brigitte