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Radtour: Berlin-Usedom Radfernweg

Vom 29. Mai - 31. Mai 2010 "testeten" wir erst mal `ne Teilstrecke mit dem Rennrad. Danach stand inser Entschluß fest, wir müssen dem unbedingt mit Zelt und Trekkingrad "machen". Weiter unten dazu der Reisebericht.

TESTFAHRT (Rennrad)

Sa., 29. Mai 2010

Leider konnten wir erst am Samstagmittag starten. - Wir hatten vor, von Buch aus sind einen Teil des Berlin-Usedom Radfernweg zu fahren. Das Wetter war passabel, wenn auch für Ende Mai etwas zu kühl. Egal, bis Buch nahmen wir die "Öffentlichen", dann stiegen wir mal wieder in die Rennradsättel. Wir wollten schon bis in die Nähe von Angermünde kommen, denn hier haben wir vorsorglich ein DZ im Hotel garni "Zur Mühle" gebucht. Nach anfänglichem, zunächst nicht wirklich effizientem "Kreuzen" in den "Vororten Berlins", nahmen wir bald an Fahrt auf und kamen gut voran. Dennoch "dauerte" es ca. 85 km und (mit Pausen) 6 Std. 25 Min, ehe wir das Ziel erreichten.

Es war 20:00 Uhr durch, als wir hungrig und geduscht wieder vor unserem Garni standen und nach Essbarem Ausschau hielten. Leider war die einzige Gaststätte im Ort geschlossen und auf dem Dorffest wurden gerade die Tische zusammen geklappt. Dumm gelaufen! - Die Garni-Wirtin hatte ein Einsehen mit uns und servierte leckere Würstchen mit Kartoffelsalat direkt auf`s Zimmer (im Gastraum gab`s nämlich `ne Familienfeier). Als dann Lena auch noch erfolgreich beim Eurovision Song Contest 2010 abschnitt, war der Tag endgültig perfekt! Zufrieden schliefen wir ein...

So., 30. Mai 2010

Nach einem guten Frühstück schnappten wir uns bald die Räder und machten uns auf die Suche nach "unserem" Radweg. Waren wir doch wegen des Quartiers etwas vom Weg abgekommen! Aber alles kein Problem, schließlich gibt es ja GPS (und entsprechende Track-Dateien zum runterladen auf der v. g. Homepage). Bei nun schon nicht mehr ganz so gutem Wetter radelten wir auf sehr unterschiedlichen Radwegen - sehr oft durch Waldgebiete - weiter bis nach Torgelow und hier zum Haus an der Schleuse (107 km), um dort zu schlafen. Vorher wollten wir allerdings noch etwas essen, was leider auch hier nicht so ganz einfach war. Unser Hotel hatte Sonntag Ruhetag, folglich zeigte man uns rasch das Zimmer und verabschiedete sich dann von uns.

Also machten wir uns nach dem Duschen - bei immer noch Nieselregen - (mal wieder) auf die Suche nach Essbarem. So viele geöffnete Speisegaststättem gibt es aber in einer Kleinstadt nun auch wieder nicht und schon gar nicht am Sonntagabend! - Happyend, die Suche war erfolgreich, es gab Rostbrätel...

Mo., 31. Mai 2010

Das Frühstück war in Ordnung, wir stiegen danach (bei leichtem Regen) noch mal auf die Räder und fuhren etwa 53 km bis Anklam. Besonders die Passagen entlang des Stettiner Haff sorgten noch mal für reichlich Abwechselung bei der Radwegebeschaffenheit. Besonders die (nassen) Sandpassagen und die Plattenwege ließen "MeckPom- Erinnerungen" bei uns wach werden, die wir eigentlich ganz gern verdrängt gelassen hätten. - In Anklam angekommen bestiegen wir nur wenige Minuten später den Zug nach Berlin ...

Die Tour, bzw. der Abschnitt, den wir gefahren sind (etwa 250 km) ist landschaftlich - gerade jetzt im Frühsommer - reizvoll und abwechselungsreich, ebenso wie die Beschaffenheit des Radweges. Lange schattige Waldpassagen und einsame Abschnitte durch Felder und Wiesen werden nur selten von kleinen Ansiedlungen, eher selten mal von `ner Stadt und noch seltener von Gaststätten und Übernachtungsmöglichkeiten unterbrochen. Also in der Saison bitte vorher Quartiere reservieren!

Man müßte eigentlich den Berlin-Usedom Radfernweg gut mit dem Oder-Neiße Radweg kombinieren können und mit etwas Oranisationstalent und Weitblick das Ganze auch mit dem Zelt absolvieren können. Eine neue Herausforderung ...!?

 

Reisebericht (22. Aug. - 27. Aug. 2010)

Nachdem wir Ende Mai dieses Jahres schon mal per Rennrad eine "Probefahrt" auf einem Teilstück des Berlin-Usedom Radfernweg getestet und für gut befunden hatten, beschlossen wir, die Strecke noch mal unter die Pedale zu nehmen - allerdings jetzt mir Trekkingrädern und Zelt - u. a. auch, um unser Equipment für die im Feb. 2011 geplante Südamerika-Tour zu testen. Bekanntlich hatte ich auf der Carretera Austral-Tour Anfabg des Jahres `ne Felge durchgebremst und folglich auf beiden Trekkingrädern neue Laufradsätze (MTB-Laufradsatz 26" Shimano Deore XT / Xtreme ar-line 3), sowie Ritzel montiert. Natürlich mußten auch die Bremsbeläge erneuert werden u.s.w..


So., 22. Aug.2010

Gestartet sind wir direkt am Brandenburger Tor. Etwas sehr warm, aber ansonsten zunächst alles im grünen Bereich. Erst kurz vor Bernau die erste Überraschung. Eine Brücke über die Autobahn war nicht passierbar, da Baustelle. Also kleiner Umweg, aber dank GPS kein unlösbares Problem. Gegen 18:00 Uhr erreichten wir - nach ungefähr 70 km - schließlich "unseren" Campingplatz am Werbellinsee.

Eine Tee, kurz vorm Schlafengehen, gab es leider nicht, da völlig unerwartet, dafür aber mit beachtlicher Stichflamme, meinMSR-Dragonflie "hoch ging"!


Mo., 23. Aug. 2010

Kocher kaputt, das bedeute leider auch, dass wir unser geliebtes Frühstück heute am Kaffeeautomaten einnehmen müssen! – Egal wir haben keine Alternative.

Relativ bergig – jedenfalls für Brandenburger Verhältnisse – geht es über Joachimsthal weiter bis etwa 7 km vor Prenzlau, konkret bis zur Berlin-Usedom-Box in Zollchow am Unteruckersee. Wir sind – nach „nur“ etwa 65 km - relativ früh am Ziel. Also machen wir noch einen Abstecher nach Prenzlau in einen Baumarkt, um einen Gaskocher nebst Kartuschen zu erwerben.

Zurück in der Box lassen wir den Tag bei recht passablem Wetter (nur ganz wenig Regen) ausklingen.

Di., 24 Aug. 2010

Mit der Nachtruhe hat es dann doch noch etwas gedauert. – Ein paar jüngere Rad-Trekking Mitgenossen hatten noch Lust, `ne Flasche Vodka nieder zu machen, was leider nicht so ganz geräuschlos vonstatten ging.

Dafür weckte uns am nächsten Morgen die Sonne und weil „die Jugend“ ausschlafen musste, hatten wir wenigstens Platz im Waschraum (jeweils ein Waschbecken in der Damen-, bzw. Herrentoilette im Nasszellen-Kontainer). – Um 09:00 Uhr saßen wir auf den Rädern.

Persönlich hat mir die heutige Etappe zum Ostseecampingpark Oderhaff in Grambin (etwa 80 km) nicht so gut gefallen. Viele Teilabschnitte verliefen parallel zu Hauptverkehrsstraßen und die Ortdurchfahrten sind in der Regel anscheinend in Meckpomm generell `ne Zumutung.

Mi., 25 Aug. 2010

Kurz nach 09:00 Uhr saßen wir wieder auf den Rädern. Der himmel war bedeckt, hin und wieder mal ein Sonnenstrahl, danach ein kurzer Schauer und umgekehrt…!

Der Gegenwind ist eklig auf dem Weg nach Anklam. Man muss schon ganz schön willensstark sein, um nicht die Abkürzung via Fähre zu wählen. Aber wir halten durch, hoffen auf Linderung. – Und tatsächlich, als wir Usedom erreichen und nach Osten einschwenken, hilft uns der Wind kräftig, die etwa 80 km hinter uns zu bringen.

Endlich der lang herbei gesehnte Campingplatz Haffküste bei Kamminke. – Der erste Eindruck (es gibt gerade mal wieder einen kräftigen Regenschauer) ist nicht gerade sonderlich positiv. Dafür dürfen wir unser Zelt direkt an der Steilküste mit phantastischem Blick auf das Haff aufbauen. – Im Duschcontainer (schon wieder so`n Ding) spühlen wir den Schweiß des Tages ab und machen uns Gedanken bzgl. des Abendessens. – OK., `ne Dose Eintopf! – Doch als wir beim Zahlen fragen, ob man noch irgendwo essen gehen kann, erfahren wir zu meiner großen Überraschung, dass es – nur 10 Minuten Fußweg entfernt – einiges an Fischspezialitäten zu entdecken und vor allem auch zum Verzehren gibt.

Der Abend ist gerettet, die Konserve steht noch immer vorm Zelt ….!

Do., 25. Aug. 2010

Der Wind hat sich nachts gelegt, wir haben gut geschlafen. – Kurz nach 09:00 Uhr saßen wir bereits wieder auf den Rädern, die Sonne schien.

Um nicht den gleichen Weg zurückfahren zu müssen, fuhren wir einen Sclenker vorbei am Golm, der höchsten Erhebung Usedoms und machten uns mit dessen Geschichtsträchtigkeit vertraut. Kurz darauf erreichten wir bei Garz wieder „unseren“ Radweg. – Jetzt dauerte es nicht mehr lange und wir befanden uns mitten unter Hunderten von Urlaubsbikern, nämlich als wir entlang der Küste bis Peenemünde radelten. Vorbei ging es an klingenden Ortsnamen wie Heringsdorf, Bansin, Ückeritz Kaserow, Zinnowitz und Karlshagen. Erstaunlich, wie wellig doch das Profil hier ist, wir machten wesentlich mehr Höhenmeter, als erwartet! Noch viel anstrengender aber die Heerscharen von von – vorwiegend – Gelegenheits-, bzw. Sonntagsradllern!!

Schließlich nach etwa 60 km dann Peenemünde, unser Ziel. – Einen Campingplatz lokalisierten wir in Freest (Waldcamp Freest), den wir per Fähre erreichten. Wir sind also wieder auf dem Festland.

Fr., 27. Aug. 2010

Als ich morgens gegen 05:00 Uhr auf`s Barometer (Armbanduhr) blickte, fiel mir sofort auf, dass es steil abwärts ging. Und richtig, wenige Minuten später begann es zu regnen (und hörte nicht mehr auf). - Unser Entschluß stand fest, wir fahren noch zurück bis Anklam und dann ab nach Hause ...!

Wir packten also unsere sieben Sachen (u. a. das nasse Zelt) ein und machten uns auf den Weg. Da uns "nur" knapp 50 km bevor standen, riskierten wir noch einen 5 km-Abstecher auf den Usedom-Radweg. Leider handelte es sich bei diesem Teilstück um eine reine Sandpiste, die nun durch den Regen komplett aufgeweicht war. Wir mußten all unsere langjährige Fahrroutine einsetzen, um aus diesem Dreck sturzfrei wieder raus zu kommen.

Kurz vor 13:00 Uhr erreichten wir Anklam und saßen wenig später bereits im Zug nach Berlin. Leider nicht ganz allein, ganz im Gegenteil, der Zug quoll förmlich über vor Rückreisenden und vor allen Dingen vor voll beladenen Radtouristen. Zum Glück braucht der Zug nicht so lange bis Berlin!!!


Persönliche Bewertung/Zusammenfassung:

Wenn man gerade zuvor seinen Urlaub auf einem Komfort-Campingplatz in Grän (Tannheimer Tal), oder im Jahr davor in Sölden (Ötztal) verbracht hat, fällt es einem schon schwer, sich an die von uns auf der Tour benutzen Campingplätze in Brandenburg, bzw. MeckPom zu „gewöhnen“. In der Regel handelte es sich um oft naturbelassene, sandige (Wald)Flächen, die durch Sanitärneubauten oder Waschcontainern und immer kostenpflichtigen Duschautomaten (modernste Technik) etwas aufgepeppt werden/wurden. Oft sieht man den Plätzen noch die DDR-Vergangenheit an (renovierungsbedürftige, bzw. verfallenen Campinghütten neben schmucken Neubauten). Andererseits hat die Naturnähe selbstverständlich auch ihre Reize und die Lage der Plätze ist häufig phänomenal!

Besonders nervig waren dieses mal die Mücken, die sich bei so viel Natur und der Nähe zu Teichen und Seen natürlich besonders wohl fühlten, was wiederum mein persönliches Wohlfühlbefinden stark einschränkte, diente ich doch regelmäßig als willkommener Nahrungsstützpunkt für diese possierlichen Tierchen…!

Der Berlin-Usedom Radfernweg als solcher ist ein Erlebnis! – Die Streckenführung ist meist sehr gut, lediglich die Ortsdurchfahrten in den Kleinstädten müssten noch verbessert werden. Die Ausschilderung ist gut und was mich ganz besonders überraschte, es läppern sich ganz schön viel Höhenmeter zusammen, denn im Gegensatz zu meiner irrigen Annahme ist dieser Teil der Republik längst nicht so tellerglatt wie ich angenommen hatte.

Was mir unterwegs auch fehlte waren die gemütlichen Einkehrmöglichkeiten am Wegesrand, was teilweise wohl auch der eher geringen Besiedlungsdichte geschuldet ist und andererseits mit daran liegt, dass die kleinen Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte den auch hier vermehrt anzutreffenden Supermärkten weichen mussten. – Was ich den MeckPommerern aber besonders krumm nehme ist die Tatsache, dass die wenigen Cafes, die man findet, dann mittags auch noch geschlossen sind!!!

Wir sind einschließlich aller Abstecher und der Rückfahrt bis Anklam etwa 435 km gefahren (bei ca. 1.500 Höhenmetern!).

Unsere Bewertung: Insgesamt lohnend und abwechselungsreich, bis auf wenige Passagen auch für Rennräder geeignet.

Unsere Empfehlung: Will man nicht allzu viel improvisieren, sollte man `ne solide Streckenplanung voran gehen lassen.

Arno & Brigitte