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Bergauf, bergab (mit) der Hochtourengruppe (HTG) der Sektion

Bergauf, bergab (mit) der Hochtourengruppe (HTG) der Sektion

Am Sonntag, den 10. September 1989 warteten neune bergwanderwütige Mit-glieder unseres Vereins (damals noch Sektion Charlottenburg) auf der Greizer Hütte auf das Eintreffen unseres damals einzigen Fachübungsleiters, um unter dessen kompetenter (An)Leitung auf eine einwöchige Hüttentour zu gehen.



Man kann sich sicher unschwer vorstellen, dass die Nachricht am späten Nach-mittag selbigen Tages, Gerd sei krank und kann nicht führen, einschlug wie eine Bombe. – Sollte die lange Anreise, die Vorbereitung, die Planung, ja sollte das alles für die Katz gewesen sein?

Einige der anwesenden Teilnehmer/innen hatten gute bergsteigerische Vor- und Grundkenntnisse, andere wiederum so gut wie gar keine. Nach langer, heftiger und durchaus kontrovers geführter Diskussion stand fest; ersten wir starten trotzdem und zweitens, wir bilden zwei Gruppen. Eine Gruppe „wandert“, die andere nimmt das einzig verfügbare Seil mit und geht auf „Hochtour“, soll heißen quert u. a. auch Schnee- und Eisfelder.

Der Chronist erspart sich und dem geneigten Leser jetzt weitere Details zum Verlauf der jeweiligen Touren - auch um sich nicht selbst zu belasten – und begnügt sich mit dem Hinweis darauf, dass schließlich alle irgendwie mehr oder weniger wohlbehalten das Ziel erreichten.

Das gemeinsame Erleben (oder Überleben?) der sog. ersten „Hochtour“ schmiedet zusammen, ließ nach erfolgreichem Abschluss schnell den Wunsch nach mehr aufkommen.

Noch gar nicht wieder richtig in Berlin zurück, strengten wir folglich sofort erste Überlegungen für eine nächste Hochtour 1990 an, träumten sehnsüchtig von den Viertausendern in der Schweiz…!

Natürlich waren wir uns im Klaren darüber, dass beim nächsten Mal ein „Fachmann“, also ein Fachübungsleiter (FÜ) für den bergsportlichen Teil einer solchen Unternehmung dabei sein musste, während ich mich fortan um das „Organisatorische“ kümmerte und die Gesamtleitung für die Tour(en) übernahm.

Es gab in unserem Verein aber damals (noch) keinen entsprechend qualifizierten Übungsleiter. Folglich kontaktierten wir die Bundesgeschäftsstelle des DAV und baten um Hilfe, erhielten daraufhin eine Vorschlagsliste und erfuhren so ganz nebenbei, dass es bei unserer großen Berliner Schwester – nämlich der Sektion Berlin – mehrere gut ausgebildete Hochtourenführer gab. Unsere Wahl fiel auf Thomas, der nachdem die „geschäftlichen Bedingungen“ abgeklärt waren, zustimmte temporär die Gruppe bergsteigertechnisch zu betreuen und anzuleiten.

Dank seiner Kompetenz absolvierten wir (insges. 8 Personen) daraufhin 1990 eine Hochtour vom Feinsten im Berner Oberland, einschließlich einer anspruchsvollen Eiskletterei in Zweier- bzw. Dreierseilschaften an der Mönch Nordostwand (45 – 60 Grad steil).

Erfolg macht mutig, wir wollten mehr, bekamen erste materielle und finanzielle Förderung durch den damaligen Bergsportladen, „Der 7. Grad“ und erfuhren Anerkennung.

Am 16. Januar 1991 war es schließlich soweit, wir gründeten ganz formal (wie es sich für einen ordentlichen Deutschen gehört) – gem. damaliger Satzung der Sektion – eine Hochtourengruppe. - Schwerpunkt der Gruppenarbeit sollte sein: Hochtouren und Kurzreisen zu Trainingszwecken zu organisieren und durchzuführen sowie Erfahrungen weiterzugeben und Kenntnisse zu vermitteln.

Kernproblem der neu gegründeten hoch motivierten Gruppe blieb aber die Tatsache, dass der Verein nach wie vor über keinen ausreichend qualifizierten Übungsleiter verfügte. Wieder mussten wir deshalb eine An- oder besser Ausleihe bei der Sektion Berlin beantragen, wieder sagte Thomas zu.

Die Planungen für die in den nächsten Jahren folgenden Hochtouren wurden zunehmend perfekter und routinierter, die Ausschreibungen professioneller (und leider immer umfangreicher). Das Konzept war plausibel und konsequent: Im ersten Vierteljahr eines Jahres stand immer die Vermittlung theoretischer Kenntnisse auf dem Programm, sowie Termin- und Toureneplanung, Reservierungen, etc.. Im zweiten Vierteljahr dann praktische Übungen einschließlich Wochenend-Kletterfahrten und Vertiefung der Kenntnisse und Fähigkeiten und schließlich als krönenden Abschluss am Ende des dritten Quartals die eigentliche Hochtour.

1991 Wallis, Monte Rosa Gruppe (Schweiz), Zermatt, Kleines Matterhorn, Quintino-Sella-Hütte, Gnifetti-Hütte, Signalkuppe (4.554m), zurück über die Monte-Rosa-Hütte (Thomas).

1992 war die Gruppe bereits so vielköpfig, dass wir uns zusätzlich zu Thomas noch einen zweiten Übungsleiter (Andreas) von der Nachbarsektion „borgen“ mussten. Unser Hochtourenziel hieß Wildspitze (Oetztaler Alpen) mit 13 Teilnehmern und anschließendem Klettercamp in der Brenta (8 Teilnehmer).

1993 Gran Paradiso. (Rifugio Vittorio Emanuele II) Nicht nur der „7. Grad“ fördert ab jetzt finanziell und ideell die HTG, sondern auch die Sektion gewährte einen Zuschuss. An der Hochtour selbst nehmen 19 Personen teil, bei den Vorbereitungen zählten wir sogar 35 Teilnehmer(!). Grund für die Expansion war auch der Zustrom neuer Mitglieder aus Ostberlin, viele von der Humboldt-Uni. - Thomas hat keine Zeit, Andreas (Sekt. Berlin), Armin und Boris (beide ACB) waren die aktuellen FÜ`s dieser Tour.

1994 Bernina-Gruppe, Diavolezza-Hütte. - An der Hochtour nahmen 14 DAV-Mitglieder teil: Neben qualifizierter Aus- und Fortbildung im Eis „gönnten“ wir uns auch eine erfolgreiche 14stündige Überschreitung der Bernina. (Thomas, Andi, Boris).

1995 Rifugio Capanna Gnifetti 3. 647m (Monte Rosa, Italien), Tourenziele waren u. a, Vincentpyramide 4.215m; Balmenhorn 4.167m; Schwarzhorn 4.312m; Lud-wigshöhe 4.341m und schließlich die Signalkuppe 4.556 m (mit Übernachtung). Zuvor bestand die Möglichkeit, „Gleichgesinnte" Sektions- bzw. Hochtourengrup-penmitglieder auf dem Camoingplatz Alagna in Riva Valdóbbia anzutreffen. Teilgenommen haben insgesamt 16 Personen. (Thomas, Andi und Boris).

1996 Die Braunschweiger Hütte (2.759m), im hintersten Pitztal auf einer Kuppe über dem Karlesferner in prachtvoller Umgebung gelegen, war dieses Jahr unser Stützpunkt, vorrangig für Aus- und Fortbildung aber auch Ausgangspunkt für herrliche Eis- und Felstouren (um das Erlernte anzuwenden). Als „Höhepunkt“ erstiegen wir die Wildspitze (3.772m). Insgesamt haben 10 Personen teilgenommen, davon drei Ausbilder(!!!) nämlich, Helmut, Ronny und Klaus.

Fast hätte diese wunderschöne Tour noch abgesagt werden müssen, denn nur wenige Tage vor Beginn sagte uns plötzlich Thomas (wohl aus persönlichen Gründen?) ab und nahm fortan auch nie wieder teil…

1997 Brandenburger Haus, alternativ konnte unterhalb des Brandenburger Hauses, also auf dem Kesselwandferner (hier 3.222m) gezeltet werden. Hiervon haben aber nur Brigitte und ich Gebrauch gemacht, alle anderen zogen die Hütte vor. Erstmals eine Tour ausschließlich mit „eigenen“ FÜ`s (Helmut und Ronny).

1998 Berner Oberland, Mönchsjochhütte. Über den Aletschgletscher zur Konkordiahütten (2. 850 m) dann Jungfraufirn zur Sphinx (3. 573 m) vorbei an der Bergstation der Jungfraubahn zur Mönchsjochhütte (3. 629 m).

Eigentlich war das schon die Hochtour, denn alle weiteren geplanten Aktivitäten fielen dem nicht enden wollenden Schneefall zum Opfer. Apropos „Opfer“, eine plötzlich eintretende Nierenkolik auf einer völlig eingeschneiten Hütte ist ein echtes Problem! Ein weiteres „Problem“ war die attraktive Hüttenwirtin, alle (Männer) wollten Küchendienst machen …! (Helmut, Ronny).

1999 Ab jetzt ist alles anders, Nanni – erste FÜ-Hochtouren unserer Sektion, ist neue HTG-Chefin. Mir blieb aber weiterhin – wie von Anbeginn an – das „Vergnügen“ der Organisation. Ich stelle dieses mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge fest. Einerseits waren die von mir bisher für die Sektion gesamtverantwortlich durchgeführten Hochtouren eine Erfahrung, auf die ich nicht verzichten möchte, andererseits bin ich dankbar für die jetzt endlich folgende Entlastung.

Es gab in diesem Jahr sogar gleich zwei Hochtouren, Anfänger (Hochtour I) und Fortgeschrittene (Hochtour II). Hochtour I (ohne Nanni), dafür mit Helmut und Ronny: Wiesbadener Hütte (2.443m) und umliegende Gipfel, Grundkurs.

Die "Könner" trafen sich mit Nanni auf dem Taschachhaus (2.434m) zur Hochtour II mit viel Eiskletterei und mal wieder der Besteigung der Wildspitze, allerdings als Eiskletterei in Zweier-Seilschaften.

Ab dem Jahr 2000 überlasse ich den „jungen Wilden“ dann schließlich das Hochtourenbrevier, soll heißen, dass der ACB inzwischen längst eine Vielzahl ausreichend qualifizierte und motivierter Übungsleiter hat, die eigenständig willens und in der Lage sind, ausbildungsorientierte Hochtouren zu organisieren und durchzuführen.

Ich ziehe mich auf`s Altenteil zurück und kreiere den Begriff „Genusstouren“, soll heißen, dass ich per sofort mein Konzept für „meine“ (Hochtouren) Gruppenangebote umstelle und beschließe, die Schönheit der Bergwelt beschaulich zu erleben (sofern die Situation es erlaubt) und diese mit den Annehmlichkeiten komfortabler Unterbringung/Verpflegung zu kombinieren.

Was mir bei diesen Planungen am meisten Freude bereitet hat, ist zum einen die Tatsache, dass ich mal wieder in Gegenden komme, die mir besonders gut gefallen haben und zum anderen, dass ich nach so vielen Jahren der Betreuung und Organisation der Hochtouren(gruppe) nun endlich nicht mehr jedes Jahr neu lernen muss, wie man Steigeisen anzieht und in welcher Hand man den Pickel hält (denn so senil bin selbst ich denn auch noch nicht)!!!!!

Im September 2000 fand also die von mir ausgeschriebene sog. erste Genusstour statt. Dabei handelte es sich um eine Hochtour im Monte Rosa Gebiet mit hochalpinem Charakter.

Zum Akklimatisieren hielten wir uns zunächst in Gressoney (Italien) auf, um anschließend zu Mantova-Hütte aufzusteigen und u. a. mal wieder auf der Signalkuppe zu landen.

Diesem Konzept bin ich bis heute treu geblieben. Es folgten die Genusstouren:

• 2001 Sexten, Sextener Dolomiten
• 2002 Saas Almagell, Wallis, Schweiz (Wandern, Klettern Hochtour)
• 2003 Pitztal (Österreich)
• 2004 Stubaier Alpen, Stubaier Höhenweg (1. Teil)
• 2005 Bodensee-Umrundung und Stubaier Höhenweg (2. Teil)
• 2006 Auszeit :-)
• 2007 Berchtesgadener Land
• 2008 Pontresina und
• 2009 Sölden

„Die“ HTG als solche gibt es längst nicht mehr, nur noch ein paar treue Weggefährten, die auch heute noch immer mit dabei sind, wenn Arno (und natürlich Brigitte) zu einer neuen „Genusstour“ einladen.

Dabei werden die Konfrontationen mit Gletschereis zwar seltener, dafür gibt es „unser“ Eis zunehmend häufiger und vorzugsweise in den regionalen Eisdielen …

Arno