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Berlin braucht Berge

Berlin braucht Berge! - Berge für Berlin

Die Zahl der Bergsportbegeisterten nahm - auch bei der Sektion Charlottenburg - ständig zu; man wollte die Bergwelt erleben, wandern, bergsteigen und die Natur ge-nießen. Spätestens aber dann, wenn ein Seil benötigt wird (Felsklettern, Eis-, Schnee- und Gletscherpassagen) ist eine qualifiziert Ausbildung von Nöten.



Damit begann dann auch schon das „Problem“. Als so genannte alpenferne Sektion fehlte (und fehlt) uns das natürlich Übungsgelände in der Umgebung. Der Weg zum Elbsandsteingebirge war vermauert, die Fahrt zu den angrenzenden Klettergebieten in „Westdeutschland“ (Harz, Ith, Frankenjura, etc.) war lang.

Die Berliner wären aber eben nicht die Berliner, hätten sie nicht auch für solche Situ-ationen eine Lösung in Petto. In Umkehrung des Sprichworts: „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg kommen“ wurde 1969 die Idee geboren, dann eben in Berlin einen (Kletter)Berg zu bauen. Die Initiative ging – übrigens ebenfalls aus Anlass ihres 100jährigen Bestehens – von der Sek-tion Berlin aus. Seit 1970 steht den Berliner Kletterern folglich auf dem Teufelsberg ein 9,80 m hoher Turm (gestalteter Spritzbeton auf Betonunterkonstruktion) zur Verfügung.

Klar, dass auch die Kletterinnen und Kletterer der damaligen Sektion Charlottenburg fortan ihre ersten Kletterzüge hier ausprobieren wollten. Das ließ sich vermutlich auch ganz gut arrangieren, zählte unsere Sektion damals doch noch weniger als 400 Mitglieder und das waren längst nicht alle nur aktive Kletterer!

Anfang der 90iger begann dann die immer noch andauernde Expansion der Charlot-tenburger. Die Mitgliederzahlen vermehrten sich sprunghaft (auch Dank des Falls der Berliner Mauer). Es wurde „eng“ am Teufelsberg.

Gemeinsam mit der Inhaberin des 7. Grates (eines der ersten Berliner Bergsportge-schäfte, das es heute aber nicht mehr gibt) Frau Wald, ging ich damals bei den Westberliner Sport- und Bäderämtern „Klinken putzen“, um die Genehmigung zu er-halten, in einer Sporthalle eine künstliche Kletterwand zu installieren. Die Bedenken der Verantwortlichen überwogen, wir hatten keinen Erfolg.

Erfolgreicher agierten dagegen einige (Sport)Jugendclubs in Berlin. Ihnen gelang es Mittel und Genehmigung für die Errichtung künstlicher – in der Regel 6m hohe - Klet-tertürme der Fa. T-Wall zu erhalten. – Überhaupt kam die sog. Sportkletterszene all-mählich in Fahrt in diesen Jahren…

Sektion Charlottenburg brauchte dringend eine Lösung. Schließlich kauften wir uns im Jahr 1997 beim Verein für Sport und Jugendsozialarbeit e. V. (VSJ), in die Klet-teranlage Königshorster Straße in Reinickendorf ein, indem wir eine Aufstockung um weitere zwei Meter der dort bereits vorhandenen Kletteranlage mit etwa 25.000 DM finanzierten und einen Kooperationsvertrag schlossen.

Rasch folgten weitere Kooperationen mit Betreiber künstlicher Kletteranlagen:
• - Jugendclub Schlossstrasse 2001
• - Fitness Factory Spreehöfe, 2001
• - T-Hall Berlin, 2001
• - Magic Mountain 2002
• - B.-Traven Oberschule Spandau 2005

Fast parallel zu den Vertragsabschlüssen mit dem VSJ verhandelte die Sektion Char-lottenburg bereits sehr Erfolg versprechend mit dem Bezirksamt Hohenschönhausen von Berlin, das sich - auf Initiative von Herrn Herrchen (damaliger Amtsleiter Gartenamt) – mit dem Gedanken trug, eine für Berliner Verhältnisse, gigantische künstliche Kletteranlage zu errichten. Für den Betrieb dieses Kletterturms wurde ein kompetenter Partner als Nutzer und Betreuer gesucht.

Zugegeben, wir betraten echtes Neuland, diskutierten und prüften viel, wogen ab, ließen uns beraten und diskutierten wieder und wieder. Waren wir wirklich in der La-ge, ein solches Projekt „zu stemmen“? – Einerseits gab es einen echten Bedarf, die Mitgliederzahl hatte die 1.000 erreicht, andererseits blieb ein nicht kalkulierbares Restrisiko. - Wir unterschrieben schließlich den Vertrag …!

Am 15. August 1997 fand im Malchower Auenpark nahe der Ribnitzer Straße die fei-erliche Eröffnung statt. Auf dem ca. 15 m hohen Betonfelsen übergab einer der bei-den damaligen Geschäftsführer der HOWOGE (maßgeblicher Finanzier der Anlage) Herr Dr. Baum den Nutzungsvertrag an uns. Der von der Fa. Brand & Schluttig ge-baute Turm erhielt wegen seiner Hauptbestandteile den Namen „Monte Balkon“.

Das gute Beispiel, vor allen Dingen aber der Erfolg dieser Kletteranlage und deren Frequentierung schien auch anderen Bezirksämtern Mut zu machen. So dauerte es gar nicht lange, ehe das Bezirksamt Marzahn von Berlin Kontakt zu unserem Verein aufnahm, um ihrerseits den Bau einer weiteren Kletteranlage zu diskutieren. Schon am 01. September 1998 wurde eine ebenfalls von der Fa. Brand & Schluttig gebaute, dieses Mal aber 17,5 m hohe Kletteranlage eingeweiht.

Die Übergabe des Nutzungsvertrages an unsrem Verein erfolgte in Gegenwart vom Bezirksbürgermeister Dr. Buttler und dem Geschäftsführer der Wohnungsbau Ge-sellschaft Marzahn (WBG), Herrn Meuter. Die WBG hatte einen erheblichen Teil der Baukosten übernommen. Wieder waren mehr als 550 Betonplatten ehemaliger Bal-konbrüstungen von Wohnungen der WGB verbaut und anschließend mit Spritzbeton modelliert worden. Der „Felsen“ erhielt den Namen „Wuhletalwächter“.

Doch nicht genug! Als vorläufige Krönung der Kletteranlagen-Erfolgsgeschichte des Vereins folgte im Jahr 2004 die Einweihung und Inbetriebnahme der „Schwedter Nordwand“.

Dank unserer mittlerweile guten Referenzen, unserer Erfahrungen und unseres Er-folges beim Betreiben künstlicher Kletteranlagen in Berlin hatte sich auch das Be-zirksamt Pankow von Berlin an den AlpinClub Berlin (wir hatten im Jahr von Sektion Charlottenburg auf AlpinClub Berlin umfirmiert) gewandt. Dank einer Initiative des Quartiersmanagements Falkplatz (Leitung Frau Taeger), gefördert durch die EU, dem Bund und dem Land Berlin im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“, standen ausreichend Mittel für den Bau einer ganz besonderen Kletteranlage bereit.

Obwohl der Errichter wieder Jens Brand (jetzt Inhaber der Firma „built a rock“) war, verwendete man dies Mal kein Abrissmaterial, sondern errichtete zwei monolithische Stahlbetonscheiben, die durch den Auftrag von Spritzbeton profiliert wurden. Eine Stele ist 5 m breit und 15 m hoch, die zweite 7 m breit und 7 m hoch. Die größere Stele ist in zwei Richtungen um 15° bzw. 13° geneigt und ermöglicht so das Über-hangklettern. Die Stelen sind versetzt angeordnet, wodurch Kaminklettern möglich ist.

Aus Versicherungs- und Haftungsgründen sind auf Betreiben der jeweiligen Bezirks-ämter später die „Schwedter Nordwand“ und schließlich auch der „Monte Balkon“ eingezäunt worden. Dieses grenzt aber nicht organisierte Kletterinnen und Kletterer nicht aus, denn sie können – auch ohne Mitgliedschaft in einem Alpenverein – vom AlpinClub Berlin, bei Abschluss eines entsprechenden Vertrages, auf Dauer einen Schlüssel erhalten.

Die Nutzungsverträge der drei beschriebenen Kletteranlagen sehen jeweils u. a. vor, dass der AlpinClub Berlin die Verkehrssicherheit der Anlagen zu gewährleisten hat. Beobachtet man bei gutem Wetter mal die Frequentierung der Anlagen, kann man sich leicht vorstellen, dass der Verschleiß erheblich ist und dass in zunehmendem Maße der Austausch, technischer Element, beispielsweise der Umlenker, erforderlich wird. Auch das Wetter, insbesondere der Frost, tragen mit dazu bei, dass Betonsanierungen durchgeführt werden müssen. Das verursacht insgesamt erheblich Kosten, die einzig von den Mitgliedern des AlpinClub Berlin aufgebracht werden müssen.

Wir appellieren in diesem Zusammenhang an die Solidarität und bitten diejenigen Kletterinnen und Kletterer, die unsere Anlagen als „Gäste“ regelmäßig benutzen, sich entweder durch Mitgliedschaft oder durch Spende an den Kosten zu beteiligen.

Ferner wünschen wir uns für die nahe Zukunft Spender und Sponsoren, die uns bei den evtl. bald anfallenden Generalsanierungen mit Geld- und / oder Sachmitteln da-bei unterstützen, diese wunderschönen Anlagen für die (Berliner) Kletterszene zu erhalten.

Arno Behr