Ramada Peak (6.410m)

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Südamerika läßt uns (noch) nicht los! - Wir stellen die ersten Überlegungen für 2006 an. Denkbar (machbar?) wäre der Versuch der Besteigung des Mercedario als Eingehtour (!!), um dann einen Besteigungsversuch des Aconcaguas zu wagen. Im Gegnsatz zu Equador und Feuerland/Patagonien wollen wir dieses mal ohne (Berg)Führer auskommen.

 

Vorbereitung

Reiseprogrammen

R E I S E T A G E B U C H

Resümee

 

Alle Bilder findet Ihr hier


Der Mercedario (6.770 m) ist der viert höchste Gipfel Argentiniens und rund 80 km mördlich des Aconcagua (6.962m). Allerdings wird er - das ist einer der Gründe für unsere Wahl - nicht ganz so oft bestiegen wie der Aconcagua. Erste erfolgreiche Besteigung vermutlich 1934.


Vorbereitung

 

April 2005

Wir setzten uns intensiver mit dem Thema Mercedario - Aconcagua auseinander und festigten unseren Entschluss, es zu probieren. Beim Reisebüro Ehlert habe ich gebeten, sich um die Flüge zu kümmern. Bernd Schröder hat uns weitere nützliche Reisetipps gegeben.

Zunehmend kommen wir zu der Erkenntnis, dass es uns wichtiger ist, den Mercedario allein zu besteigen, als als Karawane den Aconcagu "abzuhaken". Auch hätte das den Vorteil, dass wir wieder etwas mehr "Gemütlichkeit und Genuss" in die Planung integrieren könnten. Die nächsten Schritte werden sein, die Planung entsprechend zu modifizieren und vor allen Dingen, uns "Partner" (Agenturen etc.) vor Ort zu suchen.

Mai 2005

Der Partner, Agentur San Juan Adventuras, ist gefunden. Haben Email-Kontakt zwecks Feinplanung aufgenommen.

11. Mai 2005

Beim Reisebüro Ehlert die Flugtickets gekauft.

Juni - Okt. 2005

Umfangreicher Email-Schriftwechsel mit der Agentur San Juan Adventuras bis schließlich die Detailplanung konkretisiert ist. Vorrangig geht es um die Logistik vor Ort.

November 2005

Thomas wird uns begleiten und prüft Details.

24. Nov. 2005

Folgende Mitteilung erreicht uns:
"We hope you are doing fine. Here we are a bit complicated since one week ago a huge flooding destroyed all the trail going to Mercedario´s Normal Route trailhead (El Molle). There was people evacuated by helicopter (more than 60) and there are some climbers now that need to be evacuated from El Molle. The flooding was apparently produced by a big lagoon collapsing in the upper Andeans and generating a big water wave of more than 20 meters high!...destroying several huts and all the mining path we normally use to approach Mercedario by the north side. Even when this situation is interfering with our ongoing expeditions we are pretty confident that the trail will be repaired in less than a month time (at least this is what we learn from the mining companies) so it should all be ok for the time when your expedition takes place. If is not, we will let you know what arrangements in your itinerary are needed. We will keep you informed about this situation."

Dez. 2005

Weterer Email-Schriftwechsel (Feinabstimmung) mit der Agentur San Juan Adventuras. Wir sind gut im Zeitplan.

08. Jan. 2006

Per Internet Hotel in Buenos Aires gebucht und bei einem pivaten Fahrservice per Email angefragt, ob sie die erforderlichen Transfers (Ezeiza nach Aeroparque, bzw. Aeroparque, Hotel, Ezeiza) übernehmen können/wollen.

12. Jan. 2006

Nicht Mercedario sondern Ramada Peak - Heute erreichte uns nachfolgende Meldung der Agentur San Juan Adventuras:

"Dear Arno,
We have been in a meeting with the mining company people, they said the trail up to El Molle will not be fixed until at least a month from now, since the trail is more damaged than we all thought. A few days ago, a group of Italian climbers tried to get to Guanaquitos (Normal Route BC) by crossing trough El Camino Pass (alternative way up to the Norma Route entering by Valle del Colorado), but the mules couldn=B4t make it because there was too much snow. Due to all this, I believe we should start considering other options for your expedition, such as:

1) Entering by Valle del Colorado (South side of Mercedario) and, after acclimatizing for a few days, cross trough Negro Peak Col (4700 mts) without mules since they can not get trough this pass. This option will demand 2 days to reach Valle del Colorado, and then 1 more day to get from here to Guanaquitos. If you are interested in this option we recommend you to bring a satellite phone with you, you can easily rent one at Mendoza with your credit card.

2) Considering other peaks to attempt instead of Mercedario. In Valle del Colorado there are 5 peaks over 6000 mts, two of them have non technical routes, they are: Ramada Peak 6410mts and Alma Negra Peak 6120mts. They are both beautiful, see picture attached".

Wir planen um und werden auf den Ramada Peak gehen.

13. Jan. 2006

Neue Planung ausgearbeitet

16. Jan. 2006

Unser Gepäcktransport Berlin - Mendoza bereitet Probleme. Lufthansa "gestattet" 20 kg plus 8 kg Handgepäck pro Person (49, - EURO pro kg Übergewicht!!). Da wir aber u. a. wg. der Nahrungsmittel, die wir mitnehmen wollen, erheblich mehr Gepäck haben, prüfen wir Alternativen, wie z.B Kargo od. Speditionen.

20. Jan. 2006

Etwa 38 kg Gepäck (teilweise von Thomas) per Kargo Lufthansa auf die Reise geschickt. Der Versuch, eine internationale Spedition zu beauftragen, ist fehlgeschlagen, da wir bis heute auf unsere Anfrage hin, keine verbindliche Antwort erhalten haben.

25. Jan. 2006

Thomas ist gestartet, er fliegt via München nach Santiago de Chile.

26. Jan. 2006

Während Brigitte und ich noch immer mit den überzähligen Pfunden kämpfen (gemeint ist selbstverständlich unser Reisegepäck) mailt Thomas aus Mendoza, dass er und (hoffentlich auch) unser vorgeschicktes Cargo-Gepäck gut gelandet sind.

Was ab jetzt geschah, könnt Ihr in meinem R E I S E T A G E B U C H nachlesen


Links zum Thema:
andeshandbook (Besteigungsgeschichte in Englisch, Normalweg-Beschreibung in Spanisch)
Agentur San Juan Adventuras
aconcagua.com (Infos + Anbieter)
Aconcagua Adventures
Aconcagua Expeditions Berg Aconcagua, Kletter- und Trekkingexpeditionen, Information, alle Dienstleistungen, Bergführer und Logistik (Englisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch). Mendoza, Argentinien

 

tabellarisches Reiseprogrammen

Datum Ziel Quartier
Freitag
27.01.2006
Flug von Berlin - Mendoza
Flugzeug
Samstag
28.01.2006
Ankunft in Mendoza
Weiterfahrt nach Barreal
Hotel Pasada San Eduardo
Hotel
Sonntag
29.01.2006
Pausentag
Hotel
Montag
30.01.2006
Pausentag
Hotel
Dienstag
31.01.2006
Fahrt mit 4 WD nach Santa Ana (1.400m)
Aufstieg entlang des Valle del Colorado Canyon
bis Corredores (2.600m; 5h)
Zelt
Mittwoch
01.02.2006
weiter bis Mercedario Base Camp
Pirca de Polacos (3.600m; 4h+)
Zelt (BC)
Donnerstag
02.02.2006
Pausentag
Zelt (BC)
Freitag
03.02.2006
Pausentag / Akklimatisationstour
z.B. Mercedario Südwand
od. Salto Frio
Zelt (BC)
Samstag
04.02.2006
Gepäcktransport nach Lagunita (4.400m; 6h)
Abstieg ins BC
Zelt (BC)
Sonntag
05.02.2006
Aufstieg nach Lagunita (4.400m; 6h)
Zelt (HL 1)
Montag
06.02.2006
Pausentag
Zelt (HL 1)
Dienstag
07.02.2006
Gepäcktransport nach Glaciar Grande (5.200m; 5h)
Zelt (HL 1)
Mittwoch
08.02.2006
Aufstieg nach Glaciar Grande (5.200m; 5h)
Zelt (HL 2)
Donnerstag
09.02.2006
Gipfeltour Alma Negra (6.120m; 10h)
Zelt (HL 2)
Freitag
10.02.2006
Abstieg
Zelt
Samstag
11.02.2006
Pausentag
Zelt (BC)
Sonntag
12.02.2006
Gepäcktransport nach Coloraditos (4.600m; 6 h)
Abstieg ins BC
Zelt (BC)
Montag
13.02.2006
Aufstieg nach Aufstieg nach
Coloraditos (4.600m; 6h)
Zelt (HL 1)
Dienstag
14.02.2006
Gepäcktransport nach Filo (5.300m; 6h)
Abstieg nach Coloraditos
Zelt (HL 1)
Mittwoch
15.02.2006
Aufstieg nach Filo (5.300m; 6h)
Zelt (HL 2)
Donnerstag
16.02.2006
Gipfeltour La Ramada (6.410m; 8h)
Zelt (HL 2)
Freitag
17.02.2006
Abstieg
Zelt (HL 1 od. BC)
Samstag
18.02.2006
Reservetag
Zelt
Sonntag
19.02.2006
Reservetag
Zelt (BC)
Montag
20.02.2006
Abstieg nach Santa Ana
Fahrt mit 4*4 nach Barreal
Hotel
Dienstag
21.02.2006
Pausentag
Hotel
Mittwoch
22.02.2006
Pausentag
Hotel
Donnerstag
23.02.2006
Fahrt nach Mendoza - Flug nach Buenos Aires
Hotel
Freitag
24.02.2006
Buenos Aires
Hotel
Samstag
25.02.2006
Rückflug nach Berlin
Flugzeug
Sonntag
26.02.2006
Ankunft in Berlin
eigenes Bett


R E I S E T A G E B U C H


Vorbemerkung: Bedingt durch den Charakter der Tour - wir waren den größten Teil der Zeit fernab jeglicher Internetkommunikation – war eine tagaktuelle Berichterstattung in diesem Fall nicht möglich. Stattdessen habe ich jeden Abend handschriftliche Aufzeichnungen gefertigt, die ich nun kontinuierlich abtippen und veröffentlichen werde. Danach werde ich das Tagebuch um einige typische Bilder, Links und Infos ergänzen und dem ganzen schließlich ein ordnendes Vorblatt verpassen. - Werde also in de nächsten Tagen viel zu tun haben, dafür gibt`s für Euch aber (fast) täglich Neues. Viel Spass bei der Lektüre!


27. Jan. 2006

Um 16:00 Uhr hat uns eine Taxe abgeholt und zum Flughafen Tegel gebracht. - Keine Probleme wg. des Übergewichtes beim Gepäck (ohne Handgepäck etwa 46 kg zusammen) beim einchecken bei der Lufthansa. Abflug nach Frankfurt allerdings schon mit etwas Verspätung, daher nur wenig Zeit zum Umsteigen. Aber der Weiterflug verzögerte sich dann wg. Ladeproblemen, noch um eine weitere Stunde. Etwas gegessen und versucht, etwas zu schlafen (Flugzeit bis Mendozza etwa 16 Std.).

28. Jan. 2006

Pünktliche Zwischenlandung in Sao Paolo; um Zeit zu sparen, müssen die Passagiere in der Maschine bleiben. Nach Auftanken und Wechsel der Crew weiter nach Buenos Aires. Pünktliche Ankunft; sogar unser Gepäck ist da!! Für rd. 20 US $ wechseln wir per Taxe vom internat. Flughafen zum nat. Flughafen. Der Winter in Berlin ist vergessen, es ist drückend heiß (so um die 30°C). Wir können sofort einchecken. Wieder gibt es keine Übergewichts-Gepäckprobleme (allerdings fliegen wir hier auch Buisiness-Class, da ist das tolerierte Gewicht sowieso höher). Zur Begrüßung an Bord gibt es erst einmal ein Glas Sekt auf den teueren Plätzen, danach ein durchaus passables Essen! - Schade, dass wir uns diesen Komfort nicht immer leisten können...!
Ankunft in Mendoza, trotz verspätetem Abflug, pünktlich. Check out ohne Probleme. Am Ausgang warten Celeste und Thomas. Es ist hier noch heißer!! Vor dem Flughafen parkt Anibal mit einem Pickup. Wir verstauen das reichliche Gepäck auf der Ladefläche, fahren zu einem Supermarkt, u.a. um Campingstühle zu kaufen. Weiterfahrt nach Bareal. Die ersten ca. 100 km ausgebaute, landschaftlich reizvolle Fernstraße, dann weitere 100 km staubige Naturstraße.
Endlich erreichen wir nach mehr als vierstündiger Fahrt unser Ziel, die zum Gasthaus umgebaute, ehem. Hacienda San Eduardo. Mit Celeste regeln wir \"das Geschäftliche\" und verabreden, dass sie uns am 31. Jan. um 9:00 Uhr zwecks Weitertransport abholen.
Zu Abend haben wir auf der Hacienda gespeist. Müdigkeit machte sich breit. Mehr als 24 Std. Reise sowie die Zeitverschiebung um 4 Std. forderten Tribut.

29. Jan. 2006

In unserem Zimmer war es etwa 28°C warm. Das hatte sich auch nachts kaum geändert. Zudem gab es jede Menge Mücken. Also konnte von Tiefschlaf absolut nicht die Rede sein. - Gegen 9:30 Uhr haben wir unter schattigen Bäumen gefrühstückt (einfach: Kaffee, Tee, Milch, geröstetes Brot, Butter, Marmelade, Joghurt und Saft). Dann machten wir uns auf den Weg Bareal zu erkunden. Zum Glück gab es ausreichend Läden, so dass unsere erforderlichen Ergänzungseinkäufe gesichert waren.
Zurück in unserem Quartier gab es zufällig ein Barbecue, das qualitativ, wie auch quantitativ aber eher bescheiden ausfiel. Kurze Verschnaufpause, dann ab in den hauseigenen Pool. Danach Packen und Abendessen im Dorf.

30. Jan. 2006

Schon etwas besser geschlafen. Wieder gab es kurz nach 9:00 Uhr das \"Sparfrühstück\", dann beschlossen wir die restlichen Einkäufe zu tätigen. Kam noch mal ganz schön was zusammen an Wurst, Käse, Schinken, Zwiebeln Brausepulver, Nudeln etc. und schließlich Süßigkeiten (!!).Dagegen blieben unsere Versuche, noch ma \"ins Internet zu gehen\" leider erfolglos. Abendessen wieder auf der Hacienda; ich hatte "Fleisch satt" geordert!

31. Jan. 2006

Um 9:00 Uhr haben uns Celeste und Anibal mit dem Pickup abgeholt. Klar, dass wir allesamt etwas nervös waren. Sollte es doch auf eine Tour in die Abgeschiedenheit gehen. - Haben wir auch nichts vergessen? Sind die Gepäckteile, die von Maultieren in das Basecamp (BC) transportiert werden sollen, nicht zu schwer (ein Maultier kann max. zwei Gepäckteile je 30 kg tragen), sind sie wasserdicht (schließlich müssen mehrere Flüsse/Bäche gequert werden), läuft auch kein Benzin aus...?


Wir fahren zunächst etwa eine Std. auf einer Naturstraße nach La Junta. Kontrolle, ein Minenarbeiter bat um Namen und Passnummern. Weiter ging die abenteuerliche Fahrt über den Rio Blanco (Stahlbrücke) entlang einem Tal, teilweise recht ausgesetzt und exponiert, bis schließlich die Armeestation Santa Ana (ca. 1.800m) in Sicht kam. Etwa 500m davor versperrte uns der Colorado die Weiterfahrt. Also absitzen und über einen wackligen Baumstamm balancieren. Einer der Armeeposten (es waren nur drei dort) bat uns umfangreiche Fragebogen auszufüllen, auch wurden Details zur Gesundheit etc. abgefragt.


Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, da Anibal uns einen handgemalten, DIN A 4 großen Lageplan übergab, der Basis sowohl für unseren Weiterweg, wie auch unsere evtl. Gipfelziele sein sollte. - Ich werde im Folgenden noch konkret auf diesen Plan eingehen und auch dessen Aussagekraft kommentieren. Zunächst ahnten wir aber noch nichts böses...!!
Noch ein paar gute Ratschläge und kurze Erläuterungen von Anibal und wir waren auf uns allein gestellt. Das Maultiergepäck sollte nachkommen.
Geplant war, da es schon Mittag war, als wir starteten, noch eine 5 - 6 stündige Etappe zu laufen. Wir hatten aber von Anfang an Probleme mit der sengenden Hitze, weit und breit kein Schatten und kaum ein Luftzug. Die Wegfindung erwies sich als teilweise äußerst problematisch, Gestrüpp, Dornen und Stacheln trachteten nach uns. Ergebnis war, dass wir absolut langsam voran kamen (etwa ein km/Std.) und nach sechs Std. mal gerade gut die Hälfte der gepl. Etappe (ca. 9 km) geschafft hatten. Alexandro, der Maultiertreiber, der uns mittlerweile überholt hatt, schlug vor schon hier zu übernachten und am nächsten Morgen um 7:00 Uhr weiterzugehen. Wir nahmen glücklich den Vorschlag an, obwohl wir abwägen mussten, um wie viel somit die morgige Etappe länger wurde. - Zelt aufbauen, Abendessen kochen (ach Herrje, wir haben das Salz vergessen) und ab in den Schlafsack.

01. Feb. 2006

Da wir früh starten wollten, war um 5:00 Uhr Aufsteh angesagt. Der Start klappte pünktlich. Noch schien keine Sonne. Brigitte und ich kamen gut voran, bis nach etwa einer Std. Fußmarsch eine etwa 80 m hohe Felsbarriere uns den Weiterweg am Colorado versperrte. Wir hatten die Wahl, jetzt durch den Fluss zu waten (erschien uns wg. dessen sehr starker Strömung absolut unmöglich) oder alternativ, dieses Hindernis zu umrunden, bzw. überklettern. Letzteres schien uns das kleiner Übel. - Thomas meisterte diese Passage, indem er zu Alexandro hinten aufs Pferd stieg und so fast trocken das andere Ufer erreichte. Eine weitere halbe Std. später folgte der erste Bach (Trinkwasser) von rechts, den wir überspringen konnten. Das Sonne war wieder unser ständiger Begleiter und sorgt für absolut unerträgliche Hitze!! - Die nächsten beiden Bäche von rechts (Wanda Creek und Camino Creek) mussten wir durchwaten, was bei der reißenden Strömung durchaus ein sehr riskantes Unterfangen war. Vor Erreichen dieser Bäche mussten wir allerdings wieder in bester Bergsteigermanie zwei Felsbarrieren überwinden. Wir hatten mittlerweile die 3.000m-Grenze überschritten. Die körperliche Anstrengung, die Hitze und die Tatsache, dass wir einfach nicht voran kamen, sorgten dafür, dass die Moral ziemlich danieder lag. Da tröstete auch die nun folgende, etwa zwei km lange moorige Wiese wenig. Endlich kam etwas Wind auf, auch ein paar Wolken spendeten etwas Schatten.


Wir sollten nun an eine Stelle kommen, die Gelegenheit bieten sollte, den Colorado zu durchqueren. Wäre aber vermutlich unter den herrschenden Bedingungen glatter Selbstmord geworden. Vermutlich wg. der anhaltenden Hitze und Trockenheit führte der Colorado derart viel Schmelzwasser (zumindest am späten Nachmittag), dass uns nichts anderes übrig blieb, als auf der linken Flussseite zu bleiben und stundenlang einen schottrigen Moränenhang zu traversieren. Nach etwa 16 km Fußmarsch (Luftlinie) meinten wir endlich das BC auf der anderen Flussseite ausmachen zu können. Der Colorado mäandert hier sehr stark, was ihn flach und endlich passierbar macht. Gesagt, getan, wir waren endlich auf der richtigen Seite. Dagegen erwies sich das vermeintliche BC als Fata Morgana. Also weiter (demoralisiert) flussaufwärts, ehe wir (endlich) Maultiere und ein paar Zelte entdeckten. Es war 19:00 Uhr, wir waren 12 Std. gelaufen und hatten jetzt eine Höhe von 3.640m erreicht. Jetzt nur noch rasch das Zelt aufgebaut, eine Nudelsuppe gekocht und ab in den Schlafsack.

02. Feb. 2006

Um 8:00 Uhr trieb uns die Sonne aus dem Zelt. Wir frühstückten und begannen unser Lager zu organisieren bzw. einzurichten. Insbesondere mussten die Lebensmittel so zwischen und unter Steinen verstaut werden, dass die Sonne ihnen nichts abhaben konnte. Hatten wir tagsüber im Zelt doch Temperaturen bis über 60°C. - Die letzten Mitbewohner reisten ab, wir sind endgültig allein. Gegen 13:00 Uhr beschlossen Brigitte und ich, einen kleinen Erkundungsgang flussaufwärts zu unternehmen. Rasch gewannen wir weglos in Geröll und Schotter (verwittertem Gestein) an Höhe und waren nach knapp 1,5 Std. etwa 250 m höher, also auf ca. 3.900m. Vor uns lag ein weiteres, fast vegetationsloses Valley, Ausgangspunkt für die weiteren geplanten Gipfeltouren.

03. Feb. 2006

Die Nacht war kälter, als die vorige, etwa 1,7 °C als Minimum. – Um 9:40 Uhr starteten wir mit erstem Gepäck (Zelt, Benzin, Lebensmittel, Isomatten) für ein späteres Hochlager 1 (HL1) in Richtung Alma Negra. Nachdem wir wieder das upper valley erreicht hatten, versuchten wir uns zu orientieren, bzw. evtl. irgendwelche Spuren zu finden. Schließlich folgten wir wieder dem Colorado bis zur „roten Schlucht“ und begannen an der sehr steil abfallende rechten Fluss-Seite den Aufstieg, indem wir traversierten. Die Aktion war teilweise sehr, sehr heikel und zerrte an den Nerven! Wir waren mehr als froh, als wir bei Höhe 4.141m einen Ausstieg auf einen Sattel fanden.Ich setzte mit dem GPS-Gerät einen Waypoint, um anschließend sturm- und regensicher zwischen, bzw. unter Steinen ein Depot für unser mitgebrachtes Material anzulegen. Anschließend erklommen Brigitte und ich noch eine etwa 60m hohe steile Rampe, um den morgigen Weiterweg zu erkunden. Dann machten wir uns an den Abstieg. Wir versuchten einen „besseren“ Weg zu finden, was uns zum Glück auch gelang. Nach etwa 2,0 Std. waren wir wieder im BC, während wir für den Hinweg 3,5 Std. benötigt hatten. Im BC waren in der Zwischenzeit einige argentinische Bergsteiger eingetroffen.

04. Feb. 2006

Um 9:00 Uhr brachen wir mit weiterem Gepäck auf, um das HL1 aufzubauen, bzw. einzurichten. Bis zur Höhe 4.200m war der weg ja mittlerweile bekannt, danach mussten wir leider wieder „probieren“ (soll heißen, dass es häufig auf und ab , teilweise über Bäche ging und nicht immer sofort zielführend war, „nerv“). Endlich erreichten wir die Höhe 4.450m, wobei die letzten 100 Höhenmeter tierisch anstrengend waren. Da bei 4.400m ein Lagerplatz hätte sein sollen, begannen wir gezielt zu suchen. Sah aber irgendwie nirgends so aus, als hätte hier schon jemals ein Zelt gestanden, auch Trinkwasser war nicht auszumachen. Die Zeit verstrich. Zu allem Überfluss verleitete ich Brigitte auch noch dazu, mit mir eine Moräne abzusteigen (um besagten Lagerplatz zu finden), was fast im Chaos geendet hätte. Also wieder zurück auf Höhe 4.400m, die Ausrüstung hinter Steinen in Sicherheit gebrachtund in 3,0 Std. zurück zum BC. – Der Tag war wg. Hitze, Höhe und gewisser Ergebnislosigkeit sehr, sehr anstrengend gewesen. Wir beschlossen dager, am 05. Feb. 06 einen Pausentag einzulegen!!!

05. Feb. 2006

Sonntag und das in jeder Beziehung! Wirt schlafen wieder bis uns die Sonne aus dem Zelt treibt und vertrödeln den Tag (die mitgebrachten Klappstühle bewähren sich bestens) mit Packen, Waschen, Hygiene, etc.. Nach dem Abendessen gehen wir zeitig schlafen, denn morgen wollen wir frisch gestärkt um 8:00 Uhr starten.

06. Feb. 2006

Hat alles gut geklappt. Kurz nach 8:00 Uhr waren wir unterwegs zum BC1.Thomas hat eines seiner Zelte im BC stehen lassen, was ganz praktisch für uns war, konnten wir doch unsere Utensilien, die wir nicht mitnehmen wollten, reinstellen. Wir dagegen hatten unser Zelt abgebaut und mitgenommen, um es im BC2 aufbauen zu können. Bei Depot 4.141m tauschten wir noch ein paar Lebensmittel und packten Benzin und Steigeisen ein. Jetzt hatten wir ganz schön zu schleppen! – Erwartungsgemäß „erwischte“ es uns wieder 100 Höhenmeter unserer geplanten Tagesetappe, die bei 4.400m enden sollte. Irgendwann erreichten wir doch unser Ziel. Die Herrichtung des Lagers kostete nochmals viel Kraft und Überwindung, da wir zunächst eine geeignete Fläche planieren und dann mit einer Steinmauer versehen mussten. Trinkwasser suchen, Abendessen kochen, dann früh schlafen gelegt.

07. Feb. 2006

Vergangene Nacht hatten wir immerhin schon -5°C vorm Zelt. Ansonsten hatten wir allenfalls ein paare heftige Sturmböen aushalten müssen. Noch vor 10:00 Uhr machten wir uns auf die Socken, den Weiterweg zu erkunden. Natürlich haben wir auch dieses mal gleich wieder Gepäck (Zelt, Verpflegung, etc.) mitgenommen. – Ohne Wege, Wegweiser, Landkarten oder wenigstens GPS-waypoints ist es teilweise ganz schön mühsam, sich durch das Moränengewirr einen Weg zu suchen. Etwa bei Höhe 4.800m hatten wir die Nase voll und beschlossen, hier die übernächste Nacht zu verbringen. Wieder richteten wir ein Depot ein. Dann kehrten wir zurück zum BC1.

Das Bergsteigen hier ist in keiner Weise mit dem alpinen Bergsteigen vergleichbar. Sind die Alpen meiner persönlichen Ansicht nach eher übererschlossen, findet man hier absolut das Gegenteil. Zur Orientierung steht uns lediglich ein auf einem DIN A 4-Blatt handgemalter Lageplan im Maßstab 1 : 200 000, ergänzt durch ein paar flüchtige Erläuterungen von Anibal, zur Verfügung, ansonsten bist Du ganz auf Dich allein gestellt. Gut, ja (über)lebensnotwendig, wenn man über einschlägige Erfahrung, gutes Equipment, `ner gehörigen Portion Leidensfähigkeit, ausreichend Courage und guten Freundinnen verfügt.

08. Feb. 2006

Nach GPS-Peilung steht jetzt unser Bett (BC2) auf exakt 4.815m, mitten zwischen Moränen. Etwa gegen 10:00 Uhr hatten wir mit dem weiteren Aufstieg begonnen, aber ein Zelt stehen lassen. Obwohl wir den Weg einigermaßen kannten, fiel der Aufstieg wg. des umfangreichen Gepäcks schwer. Etwa um 14:00 Uhr hatten wir unser Tagesziel erreicht und bauten bei immer noch extremer Hitze (trotz der Höhe) unser Zelt auf. Um den Benzinkocher zu testen (Dragonfly) noch rasch einen Kaffee gekocht, etwas relaxed, dann sind Brigitte und ich los, den Weiterweg zu erforschen. Das vorläufige Ergebnis war enttäuschend, kaum eine erkennbare Chance, ins gut 5.000m hohe Joch zu gelangen. Wir werden es morgen erneut probieren…!
Mit leichten Kopfschmerzen und jeder Menge Sonnenbrand gegen 21:00 Uhr in den Schlafsack gekrochen.

09. Feb. 2006

Die Nacht war "nur" gut - 4°C kalt, erstaunlich bei dieser Höhe! - Haben wie üblich gefrühstückt und sind gegen 10:00 Uhr aufgebrochen. Brigitte und ich wollten noch mal versuchen, einen gangbaren Weiterweg zu finden. Dieses mal probierten wir es talaufwärts an der linken Seite und kamen tatsächlich weiter als am Vortage. Auch Thomas, der einen individuellen Versuch gestartet hatte, kam plötzlich vor uns in Sicht. Nun galt es, eine riesige, steile Moräne mehr oder weniger frontal zu erklimmen. Ein hartes Stück Arbeit bei dieser Höhe (etwa 4.900m) und den Temperaturen. Jetzt lag vor uns nur noch ein finaler Steilhang, der im Joch endete. Brigitte und ich quälten uns noch hinauf bis zu einer Höhe von gut 5.000m, dann drehten wir um. - Später, als wir wieder zurück im BC2 waren, beschlossen wir, von einem weiteren Besteigungsversuch des Alma Negra abzusehen, da bei unserer gegenwärtigen Konstitution ein gemeinsamer Erfolg fraglich schien und wir uns und unsere Gesundheit nicht vorsätzlich gefährden wollten. Also werden wir morgen ins BC absteigen.

Vom ersten Tag unserer Ankunft an hatten wir tagsüber bisher ausschließlich intensiven Sonnenschein bei ungewohnten hochsommerlichen Temperaturen (mittags immer so um die 30°C). Nachts kühlte es merklich ab, besonders seit wir in den Bergen sind. Erst am 09. Feb. hat es abends die ersten Eintrübungen gegeben, allerdings ohne nennenswerten Niederschlag. - Wir kamen aus dem winterlichen Berlin (Temperaturen nachts so um die - 15°C) unser Biorhythmus stand auf Winter, wir hatten noch merkliche Akklimatisationsprobleme.

10. Feb. 2006

Gesagt, getan! - Kurz nach 10:00 Uhr hatten wir alles eingepackt und begannen mit dem Abstieg. Die Rucksäcke waren ganz schön schwer und sollten noch viel schwerer werden, als wir ehem. Lager bei 4.400m erreichten. Hier stand ja noch unser zweites Zelt und befanden sich weitere Utensilien. Haben wir alles noch mit in die Rucksäcke gepackt und uns zum Depot 4.141m gequält. Jetzt alles ausgepackt und ein Depot für die geplante Ramada-Besteigung angelegt. Mit dem verbleibenden Gepäck sind wir dann runter ins BC, wo wir gleichzeitig mit dem ersten Niederschlag eintrafen. Rasch war wieder ein Zelt aufgebaut (das von Thomas stand ja sowieso noch) und zu Abend gegessen. - Morgen ist Ruhetag; mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt?!

11. Feb. 2006

Fast ganz durchgeschlafen. Auch war die Nachttemperatur im Plusbereich. Als die Sonne begann, das Zelt zu erwärmen, beschlossen wir, endlich zu frühstücken. - Den Tag verbrachten wir vorwiegend damit, dass wir faul in der Sonne rumsaßen, oder aber Klamotten wuschen, bzw. versuchten uns vom Staub der letzten Tage zu befreien. Gegen Mittag zogen erneut Wolken auf, das Barometer fiel. Dann Hagel, Donner und etwas Regen. Am Abend war (vorerst?) alles wieder vorbei.

12. Feb. 2006

Der ganze Tag war ein einziger Fehlstart. Das Wetrter schien sich wieder beruhigt zu haben. Wir räumten auf, verstauten unsere Utensilien im Zelt, das diesmal im BC stehen bleiben sollte und starteten mit Ziel Ramada. Irgendwie war die Stimmung gereizt. 30 Minuten nach Start bemerkte ich, dass ich die Zeltheringe vergessen hatte und kehrte folglich wieder um, um sie zu holen. Nächstes Ziel war unser schon bekanntes Depot 4.141m. Thomas war schon voraus geeilt und kam - kurz bevor Brigitte und ich das Depot erreichten - schon wieder entgegen. Ein Gewitter war aufgezogen, so dass er beschlossen hatte, abzusteigen. Brigitte und ich krochen am Depot zunächst in unsere Biwaksäcke, um die Wetterentwicklung abzuwarten. Wir beobachteten die Hagelkörner, die lustig in alle Richtungen von uns abprallten. Nach gut einer Stunde des geduldigen Wartens gaben auch wir auf, verstauten unsere Ausrüstung und stiegen ab. - Wieder im BC, beschlossen wir am nächsten morgen gegen 7:00 Uhr erneut zu starten.

13. Feb. 2006

Dieses mal glückte der Start. Das Wetter war stabil und wir kamen rasch zum Depot 4.141m (kein Wunder, denn das meiste unseres Gepäcks hatten wir ja dort gelassen). Noch einmal alles checken und los ging`s jetzt wieder mit prallen Rucksäcken gen Ramada. Wir fanden ausnahmsweise mal eine gute Aufstiegsspur, der wir bis zu einer Höhe von 4.600m folgten. Angeblich sollte sich hier ein Lagerplatz befinden, vor allem aber Trinkwasser. War aber alles absolut nicht so dolle. Schließlich bauten wir unsere Zelt weitgehend ungeschützt und mit ziemlicher Schräglage an einem Schotterhang auf. Der restliche Abend verlief routiniert.

14. Feb. 2006

Nur bedingt gut geschlafen. Kurz nach (:00 Uhr hatten wir unseren gesamten Hausrat wieder auf dem Rücken und einen mächtigen Hang vor uns (etwa 300 Höhenmeter). Hirt gab es einen ganz passablen Nächtigungsplatz, den wir aber ignorierten. Der Rucksack zerrte gewaltig an den Schultern! Bei Höhe 5.000m der der nächste Platz, wo man das Zelt hätte aufbauen können, unser Tagesziel war aber noch nicht erreicht. Jetzt mussten wir mal wieder einen steilen Schotterhang traversieren und schließlich noch 150 Höhenmeter in kleinen Serpentinen gehend in rutschigem Schotter aufsteigen. Jetzt wurde das Gelände flacher, aber es war zunächst kein Platz für die Zelte zu entdecken. Weil ich selbst zu ko. war, bat ich Brigitte, weiterzusuchen. Exakt bei Höhe 5.380m „entdeckte“ sie dann eine ebene Fläche, auf welcher anscheinend schon mal Zelt gestanden hatten.


Von einer Sekunde zur anderen zog ein heftiges Gewitter auf, begleitet von dichten Hagelschauern. Wir waren ausgepumpt, die Nerven lagen bloß; Angst vor Blitzschlag und irgendwie musste das Zelt ja noch aufgebaut werden!!! Einige Zeit später hatten wir auch das geschaffte und hofften nun, dass der Schneefall aufhört. Aber das Gegenteil war der Fall. Mindestens 20 cm Neuschnee (das Zelt musste immer wieder abgeklopft werden) und jetzt setzte auch noch starker Sturm ein. Hoffentlich hält das Zelt stand! Weit nach Mitternacht beruhigte sich zum Glück das Wetter, endlich konnte man etwas schlafen.

15. Feb. 2006

Es ist immer wieder dieselbe Situation, nachts lausig kalt (- 15°C) und kaum trifft der erste Sonnenstrahl aufs Zelt, ist es drinnen nicht mehr auszuhalten. – Wir trocknen Kleidung und Ausrüstung. Der Schnee beginnt teilweise zu tauen, liegt aber noch hoch in der vermeintlichen Aufstiegsspur. Am Nachmittag geht es mir plötzlich sehr schlecht. Ich versuche noch (viel) mehr zu trinken. Vergegenwärtige mir meine Situation, was nicht gerade zu meiner Beruhigung beiträgt. Bin etwas verzweifelt/mutlos. Eigentlich ist mir nach Abstieg…!

16. Feb. 2006

Die ist lausig, mir dröhnt der Schädel und draußen haben wir wieder – 15 °C. Ich wecke Brigitte und bitte um eine Aspirin. – Noch vor dem Schlafengehen hatten wir gemeinsam unsere aktuelle Situation besprochen, mit dem Ergebnis, dass wir ohne Hochtourenausrüstung (Steigeisen, Pickel, Seil, Gurt, etc.) unter diesen plötzlich eingetretenen, winterlichen Bedingungen überhaupt keine Chance (vermutlich ist es im Gipfelbereich noch knapp 10 °C kälter) haben, ohne Risiko für Leib und Leben, den Gipfel zu erreichen. Der Abstieg am kommenden Morgen war also beschlossene Sache.


Eine Stunde vor dem ersten Sonnenstrahl begann ich, wie übrigens jeden Morgen, Tee und Kaffee zu kochen, die Hände waren klamm..! Die Sonne begann das vereiste Zelt zu erwärmen, es war etwa 9:00 Uhr. Es hatte in der Nacht wieder etwas geschneit. Unsere Versuche, noch den einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand in der ersten Sonne zu trocknen, bzw. abzutauen, waren nicht wirklich erfolgreich. Also packten wir zusammen und begannen im steilen Firn (zum Glück hatten wir die Schalenschuhe dabei) mit dem Abstieg. Mehr als eine Stunde höchste Konzentration – nur keinen Fehltritt oder Ausrutscher in dieser Situation – dann hatten wir bei Höhe 5.100m das Schlimmste inter uns.
Mehr oder weniger der Aufstiegsspur folgend stiegen wir nun so um die 1.800 Höhenmeter ab und erreichten schließlich ziemlich erschöpft am späten Nachmittag unser BC. Noch etwas Trinken und Essen und bereits um 20:00 Uhr lagen wir auf den Matratzen.

17. Feb. 2006

Mal wieder geschlafen, bis die Sonne das Zelt erwärmte. Den ganzen Tag Rückreise-Vorbereitungen getroffen, gegessen, getrunken relaxed….

18. Feb. 2006

Auch diesen Tag haben wir ruhig angehen lassen, haben sach- und fachgerecht unseren Müll entsorgt, bzw. auf ein Minimum reduziert (zum Mitnehmen) und aufgeräumt. Mittags kam Alexandro mit den Maultieren. Haben ihm noch die restlichen Lebensmittel, Benzin, etc. „vererbt“. Petrus führte uns zum Abschied noch mal sein komplettes Repartior vor.

19. Feb. 2006

Um 6:00 Uhr aufgestanden, gefrühstückt und Zelt abgebaut. Gegen 8:00 Uhr in Richtung Santa Ana gestartet, d.h. wir hatten von vorn herein nicht vor, die gesamte Strecke in einem Zug zu laufen, sondern wollten, wie schon auf dem Hinweg, einmal (übrigens an der gleichen Stelle) übernachten. - Wir kamen zunächst auch gut voran, durchwateten routiniert den Colorado und verschiedene Seitenarme. Dennoch ist der Weg als solcher wieder absolut anstrengend zu laufen. Fast immer muß man sich irgendwie eine Spur suchen (ist nur selten deutlich erkennbar) und ansonsten endlos über Moränen und Geröll stolpern. Besonders tückisch sind einzelne Gebirgsmassive, die den Weg versperren und denen man folglich ausweichen (umgehen) muss. Manchmal muss man hierfür stark abschüssige Geröllhänge queren und darf an die möglichen Folgen eines evtl. Fehltritts gar nicht erst denken. Zur "Belohnung" gibt`s allenthalben immer wieder kräftige Dornen, die ganz wild auf Schienenbeine und Waden sind. - Wie schon auf dem Hinweg, brauchten wir auch für den Abstieg wesentlich länger, als erhofft. Dann mal wieder Hagel und Gewitter. Als wir schließlich im Zelt liegen, merken wir erst, wie k.o. wir sind.

20. Feb. 2006

Eigenartigerweise sehr unruhig geschlafen (vermutlich weil es die letzte Zeltnacht in diesem Urlaub war), dafür aber länger. Das Gepäck hatten wir soweit minimiert, dass wir auch nur noch über insges. einen Gaskocher (von Thomas) und einer Kartusche verfügten. Also war Einteilen angesagt.


Gegen 10:00 Uhr hatten wir die Zelte abgebrochen, alles im Rucksack verstaut und waren marschfertig. Die Sonne gab ihr bestes. Immer dem Colorado folgend, wurden wir mit absolut beeindruckenden Felsformationen konfrontiert. Leider aber auch teilweise wieder im negativen Sinne. Dann konnten wir dem Flusslauf wg. senkrechter Felsab(durch)brüche nicht mehr folgen, mussten wieder die Hindernisse umgehen. - Ein letztes solches Hindernis erwartete uns kurz vor Santa Ana. Es wollte Brigitte und mir einfach nicht gelingen einen passablen Weg, der die etwa 50m Hohe Moräne hinauf führt, zu finden (Thomas war schon oben). - Vermutlich hatte uns die Tatsache, dass wir beinahe am Ziel waren, die erforderliche Konzentration genommen, oder war es die Sonne? - Egal, wir nahmen mehrere Anläufe, ehe wir uns (besonders ich) mit letzter Kraft nach oben quälten. Santa Aba als grüne Oase lag vor uns. Nur noch runter und es war geschafft. Nach kurzer Wartezeit holte uns Celeste und ein Fahrer mit einem Pickup ab. Es war wohl etwa 18:00 Uhr, als wir auf "unserer" Hazienda eintrafen. - Abladen und dann stundenlang duschen....! Abendessen auf der Hazienda.

21. Feb. 2006

Ausgeschlafen in einem richtigen Bett (leider wieder viel zu warm und jede Menge Mücken).Erst nach 10:00 Uhr gefrühstückt. Nochmals nach Barel-Downtown gelatscht, Zivilisation schnuppern (Internet) und Mittagessen. Zurück zur Hazienda. Den Nachmittag am Pool verbracht. Am Abend besuchten wir die uns empfohlene Gaststätte Le Aleman, und plauderten mit dem deutschen Inhaber und Besitzer Bernd (ehem. Hamburger).

Tip: Bernd kann auch Transporte übernehmen, Maultiere organisieren, Schlafplätze anbieten und jede Menge qualifizierte Auskünfte zu Land und Leuten geben. Er war selbst begeisterter Bergsteiger und braut phantastisches Bier (nach dem Deutschen Reinheitsgebot).

22. Feb. 2006

O.k., Celeste und Freundin(als Pickup-Fahrerin) waren pünktlich um 8:00 Uhr auf der Hazienda. Abschied und ab ging es in Richtung Mendozza. Wieder vier Stunden staubige und holprige Fahrt, meist auf Naturstraßen, lagen vor uns. Dann hatten wir es geschafft. El Portal, ein kleines aber durchaus feines Hotel erwartete uns mit einem Dreibettzimmer (Appartement, u.a. mit einem Zweibett- und einem Einbettzimmer). Kurzer Stadtbummel mit Steakkontakt, dann kümmerten wir uns etwa zwei Std. lang um unser Cargo-Gepäck (LAN Chile + Zoll). Abends nochmals in die Stadt und zum Steakessen in ein Touristenlokal.

23. Feb. 2006

Das Frühstück war nicht sonderlich aufregend (immer noch keine Eier). Bis 10:00 Uhr checkten wir aus, deponierten unser Gepäck im Hotel und bummelten noch mal durch das Zentrum. Um 13:00 Uhr nahmen wir eine Taxe zum Flughafen. Der Abflug verzögerte sich. - Komfortabel in der Business-Class folgen wir dann nach Buenos Aires.
Ankunft auf dem nationalen Flughafen, weiter mit Taxe zum vorbestellen Dazzler Tower Hotel sollte eigentlich kein Problem sein, dachten wir. - Weit gefehlt. Aus irgend einem Grunde lautetet die Adresse auf unserer Reservierungsbestätigung San Martin 320. Richtig war aber, wie sich später rausstellte 920. Unserem Chauffeur (südländischer Herkunft) gelang es aber mühelos, deshalb soviel Verwirrung zu stiften, dass schließlich unsere Nerven mal wieder bloß lagen. Schließlich löste sich aber alles in Wohlgefallen auf, wir bezogen unsere reservierten Zimmer. Nach einem kurzen Stadtbummel - es regnete mal wieder - genehmigten wir uns für das Abendessen ausnahmsweise mal einen "Italiener" (habe trotzdem Steak gegessen). Noch eine unfreiwillige Ehrenrunde durch Downtown und wir lagen satt und zufrieden im Bett.

24. Feb. 2006

Fast das Frühstück verschlafen. Endlich gab es Rührei und Würstchen. Wir kauften Tango-Show-Karten für den Abend und buchten für 14:00 Uhr eine Stadtrundfahrt. Bis zu deren Start stromerten wir noch etwas durch das vornehmere Bueno Aires.
Sowohl Sightseeing, wie auch ganz besonders die Tango-Show waren eine voller Erfolg und ein würdiger Abschluss unseres Argentinienaufenthalts. Getoppt wurde das ganze nur noch durch ein 1,100 Gramm (Baby)Steak, das ich mir aber mit Brigitte teilte. - Wir fanden schell zu unserem Hotel.

25. Feb. 2006 Tag der Heimreise, 6:00 Uhr Frühstück, auschecken und um 8:00 Uhr mit Taxe zu internat. Flughafen. Problemloses rasches einchecken bei der Lufthansa, kein Gepäck(übergewichts)problem. Fast pünktlicher Abflug.



Resümee

Die ursprüngliche Idee, den Aconcagua zu besteigen und auf den Mercedario als „Eingeh- und Akklimatisationsberg zu gehen, hatten wir nach intensiverer Konfrontation mit dem Thema sehr rasch aufgegeben. Wir entschieden uns gegen den Massentourismus (Aconcagua) und beschlossen, „nur“ auf den Mervedario zu gehen. Wie man dem Reiseplan Vers.II unschwer entnehmen kann, hatten wir als Eingehtour zunächst vor, erst auf den Negro Peek (5.500m) zu gehen und dann den Mercedario (6.770m) zu versuchen.

Kontinuierlich bereiteten wir uns auf dieses Ereignis vor, informierten uns umfassend und suchten und fanden kommerzielle Partner in Argentinien, die uns (gegen angemessene Honorar) Logistik, Landkarten, GPS-Waypoints, Beratung, etc. zur Verfügung stellen wollten.

14 Tage vor der Abreise teilten uns die Partner (Agentur San Juan Adventuras) mit, dass wg. einer Naturkatastrophe die Besteigung des Mercedario gegenwärtig nicht möglich ist und schlugen uns gleichzeitig vor, stattdessen Alma Negra (6.120m) und La Ramada (6.410m) zu besteigen. Wir hatten die Alternative zu akzeptieren, kurzfristig eine weitere Planung zu initiieren oder aber die Reise zu stornieren. Kurzfristig nahmen wir also den Alternativvorschlag an und modifizierten unsere Planung (Reiseplan Vers. III).

Im Gegensatz zu der „Mercedario-Planung“ war die Agentur hier aber leider nicht in der Lage, uns - abgesehen von einer DIN A 4 großen, handgemalten Planskizze – irgendwelche konkreten Gebietsinformationen (Landkarten, Routen, GPS-Points, Lagerplatzdetails, etc.) zur Verfügung zu stellen, was wir allerdings erst vor Ort erfuhren.

Da ich aber (altersbedingt?) gern vorher weiß, woran ich bin – halte ich persönlich für zwingend notwendig, um das evtl. Risiko zu kalkulieren – kritisiere ich das Fehlen derartiger Unterlagen klar als Mangel der Agentur.

Selbstkritisch stelle ich fest, dass ich die klimatischen Unterschiede (Winter in Berlin, Hochsommer in Argentinien) und die damit verbundenen körperlichen Belastungen unterschätzt habe. Auch war es ein Nachteil, dass ich vier Monate vor Abreise wegen einer immer noch nicht ausgeheilten Erkrankung meiner Achillessehne mein ansonsten regelmäßiges Lauftraining (Kondition) einstellen musste.

Schließlich war es strategisch nicht vorteilhaft, als Eingehberg einen 6.000er zu wählen. Besser war die im Reiseplan Vers.II geplante Variante, zunächst „nur“ auf 5.500m zu steigen (Erfolgserlebnis). Eine solche Variante war (technisch unschwer) aber in unserem „Ersatzgelände“ nicht darstellbar.

Positiv ist dagegen zu werten, dass ich aufgrund der geschilderten Bedingungen und Umstände mit einer für mich relativ neuen Situation konfrontiert worden bin. Die Ursprünglichkeit der Landschaft, das Nichtvorhandensein konkreter Planunterlagen, das Suchen und Finden gangbarer Wege, das spüren nach Wasserstellen, das Leben drei Wochen lang aus der Konserve und die Konfrontation mit dem Wetter haben mich eine völlig neue Art der Risikoabwägung erleben, lernen und bewältigen lassen. Eine neue Erfahrung, die ich keinesfalls missen möchte.

Standen wir auch nicht auf den Gipfeln, so haben wir doch viel mitgenommen aus Argentinien und einen Urlaub erlebt, der in jeder Weise meinen Horizont erweitert hat.

Arno Behr